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Gestrichene Subventionen für Stierkampf:Bücher statt Bullen

SANTIAGO BULLFIGHTING FAIR

In Santander im Norden Spaniens finden die Stierkämpfe auch dieses Jahr wie immer statt. Jose Maria Manzanares und sein Gegner in der Arena.

(Foto: dpa)
  • In der kleinen spanischen Stadt Villafranca de los Caballeros sollen dieses Jahr keine öffentliche Gelder in ein Stierkampf-Spektakel fließen - stattdessen will die Stadt Bücher kaufen.
  • Immer mehr Orte wenden sich von der Tradition ab. Kritiker bemängeln, dass damit ein Teil des kulturellen Erbes verloren gehe.

18 000 Euro für Schulbücher

Julián Bolaños, der Bürgermeister der kleinen spanischen Stadt Villafranca de los Caballeros, ist kein ausgewiesener Gegner des Stierkampfs. Trotzdem findet er, dass die 18 000 Euro, mit denen die 5000-Einwohner-Stadt das archaische Spektakel jedes Jahr im September subventioniert, viel Geld sind. Geld, das er künftig für sinnvollere Dinge ausgeben will: Schulbücher für arme Familien zum Beispiel.

Die Stadt, so berichten es spanische Medien, möchte die Zuschüsse an die Veranstalter der Stierkampf-Fiesta künftig anderweitig verwenden. Bolaños, der der sozialdemokratischen PSOE angehört, hat mit seiner Partei die Mehrheit im Stadtrat.

"Eine Frage der Prioritäten"

Ohne die 18 000 Euro Unterstützung werde der Stierkampf in diesem Jahr wohl nicht stattfinden können, glaubt Bolaños. Doch falls ein anderer Sponsor, etwa ein lokales Unternehmen, einspringen wolle, sei es willkommen.

"Es ist eine Frage der Prioritäten", sagt der Bürgermeister. "Es gibt eine hohe Arbeitslosigkeit in unserer Stadt und manche Leute haben einfach kein Geld, um ihren Kindern Schulsachen zu kaufen".

Die Reaktionen auf die Entscheidung der Stadt, die 100 Kilometer südlich von Madrid liegt, sind bisher positiv. "Selbst Menschen, die Stierkämpfe mögen, haben mich angerufen und mir gesagt, dass sie mit unserem Plan einverstanden sind". Wenn sie Stierkämpfe besuchen wollten, könnten sie ja in andere Städte ausweichen. Arme Familien hätten hingegen keine Alternative.

Auch andere Städte gehen gegen Stierkämpfe vor

Auch zahlreiche andere spanische Städte streichen öffentliche Gelder für Stierkampf-Veranstaltungen. Madrids Bürgermeisterin Manuela Carmena bekräftigte zuletzt, dass "nicht ein Euro" in die Finanzierung fließen werde. In La Coruña in Galicien wollte man ein Stierkampf-Festival gleich komplett streichen, in Alicante will man auf Subventionen verzichten und in Alzira war es die erste Amtshandlung der neuen linken Regierung, die Stierkämpfe zu unterbinden, die die Konservativen jahrelang unterstützt hatten. Viele Kommunen planen außerdem, ihre Bürger über die Zukunft der Tradition abstimmen lassen. n Katalonien, dessen Regionalregierung große Autonomierechte genießt, sind Stierkämpfe ohnehin seit Jarhen verboten.

Nicht überall ist man allerdings einverstanden mit dem Vorgehen gegen die Stierkämpfe. In Valencia sagte Luis Santamaría von der konservativen Partido Popular, Stierkämpfe seien nun einmal Teil der spanischen Identität und zum kulturellen Erbe erklärt worden. Dagegen dürfe man nicht politisch vorgehen.

Kritik kommt auch von Tierschützern. In ganz Spanien gebe es noch immer mehr als 16 000 Feste mit Stierkämpfen. An ein paar Stellen Geld für Bücher statt für Bullen auszugeben, reicht ihrer Meinung nach noch lange nicht aus.