OstseeWal soll per Lastkahn abtransportiert werden

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Helfer befeuchten in der Ostsee den Rücken des Wals mit nassen Tüchern.
Helfer befeuchten in der Ostsee den Rücken des Wals mit nassen Tüchern. Philip Dulian/dpa

Der vor Poel gestrandete Buckelwal soll zurück in die Nordsee. Während die aufwendige Rettungsaktion voranschreitet, warnen Experten vor erheblichen Risiken für das geschwächte Tier.

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Vor fast einem Monat ist der Buckelwal vor der Insel Poel bei Wismar gestrandet. Diese Woche soll Schiffstechnik den Abtransport des lebendigen Tiers ermöglichen. Ein Lastkahn, der den großen Meeressäuger samt Wasser aufnehmen soll, passierte am Morgen Fehmarn. Der eigentliche Abtransport des Wals soll nach bisherigen Informationen frühestens am Dienstag beginnen.

Seit dem Start der Rettungsbemühungen der privaten Initiative Mitte April kam es wiederholt zu Verzögerungen und Planänderungen – unter anderem, weil der Wal sich vor einer Woche nach einem Ansteigen des Pegels selbst in Bewegung gesetzt hatte, später aber wieder festsaß. Seitdem sorgt ein privates Rettungsteam dafür, dass das Tier auch bei niedrigem Wasserstand ausreichend tief liegt.

Zudem wurde eine mehr als 100 Meter lange Rinne bis zur tieferen Fahrrinne gebaggert, gesaugt und gespült. Über diesen Korridor soll der Buckelwal in den absenkbaren Kahn gelotst werden. Das stählerne Becken soll dann von einem Schlepper gezogen in die mehr als 400 Kilometer entfernte Nordsee starten.

Der technische Leiter der privaten Initiative, Felix Bohnsack, hatte kürzlich das Konzept für den Transport erklärt. Verwendet wird eine sogenannte Barge, die man sonst etwa zum Abtransport von Schiffen benutzt. Im Innenraum biete sie in der Länge etwa 47 Meter und in der Breite etwa 11 Meter Platz. Unter den Wal soll eine durch ein Netz gehaltene Plane geführt werden. Zunächst werde eine U-förmige Begrenzung um den Wal aufgebaut, damit er sich seitlich nicht mehr drehen könne. Anschließend werde die Front angehoben, sodass eine Art Barriere entstehe. Später solle er dann wieder vorwärts herausschwimmen können.

Dabei müsse gewährleistet sein, dass das Tier im Notfall schnell freigelassen werden kann. Zudem sei ein konstanter und ausreichender Wasseraustausch entscheidend, damit das Tier gesund bleibt, erklärte Bohnsack. Für den Transport seien dreieinhalb Tage geplant. Danach werde der schlussendliche Zustand des Tiers noch einmal bewertet und geschaut, wie es die Reise überstanden hat.

Die Barge, geschoben von dem Schubschiff  Hans  auf dem Nord-Ostsee-Kanal bei Hohenhörn.
Die Barge, geschoben von dem Schubschiff Hans auf dem Nord-Ostsee-Kanal bei Hohenhörn. Bodo Marks/dpa

Der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter bleibt mit Blick auf den neuen Rettungsversuch skeptisch. „Der Zustand des Wals ist nach wie vor auch prekär. Er hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich und da jetzt mit großem, schwerem Gerät mit vielen, vielen Menschen und viel Geld das Allermöglichste zu versuchen – ich glaube, wir laufen da Gefahr, dem Wal auch zu schaden“, sagte der Mitgründer und zweite Vorsitzende des gemeinnützigen Wal- und Delfinschutzvereins M.E.E.R. im ZDF-„Morgenmagazin“.

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Vor allem der lange Transport in dem Lastenkahn könne das Tier sehr stressen, ist Ritter überzeugt. „Was mir Sorgen macht, ist die Lautstärke. Das wird sehr laut für den Wal. Und Wale und Delfine leben in einer Welt des Schalls. Die sind da extrem empfindlich.“ Das wäre so, als würde man einem Menschen drei Tage lang eine helle Lampe ins Gesicht halten, sagt er. Zudem könne man den Buckelwal nach drei Tagen nicht einfach anschubsen und davon ausgehen, dass er losschwimmt. Man müsse darauf achten, dass er bewegungsfähig ist und feststellen, ob er Nahrung auch tatsächlich zu sich nehmen kann.

Backhaus hofft weiterhin auf gutes Ende der Mission

Am Sonntag wurde erneut an der Rinne gearbeitet und der Zustand des Wals kontrolliert. Dabei war auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) ins Wasser gegangen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte er am Sonntag. „Ich hoffe, dass diese Mission dann irgendwann, möglichst bald, zu Ende ist, und zwar mit Erfolg.“

Meeresbiologe Ritter kritisiert dabei den starken Fokus auf den Einzelfall. „Wir reden hier über Symptombekämpfung an einem einzelnen Tier und ich würde mir wünschen, dass wir über Ursachenbekämpfung sprechen.“ In diesem Zusammenhang verweist er auf die zahlreichen in der Ostsee verendenden Schweinswale.

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