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Gesetz im US-Bundesstaat New York:Stoppt die Tier-Tätowierer

  • Der US-Bundesstaat New York hat es verboten, Tiere zu tätowieren oder zu piercen.
  • Anlass war die Empörung über einen Hundehalter, der seinem Pitbull ein Herz unter die Haut gestochen hatte.
  • Im Münsterland hatte ein Pferdehalter eine ähnliche Idee. Ihn stoppte das Verwaltungsgericht.

Schon aus ästhetischen Erwägungen könnte man anprangern, was "Mistah Metro", ein Tätowierer aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn, getan hat. Das Werk, das er vor einigen Monaten auf der Social-Media-Platform Instagram verbreitete: Rosarotes Herz, schwarz umrandet, ein ebenfalls schwarzer Pfeil geht hindurch, umrankt ist das Ganze von zwei Spruchbändern, darauf die Namen "Alex" und "Mel".

Mistah Metros Komposition erregte allerdings nicht wegen ihrer schwer erträglichen Kitschigkeit Anstoß, sondern deshalb, weil er das Bild mit seinem eigenen Namen und dem seiner Freundin auf den Körper seines Hundes tätowierte. Zion, ein Pitbull-Mischling, war damals wegen einer Milzentfernung beim Tierarzt und ohnehin mit Medikamenten ruhiggestellt. Das nutzte der Tattoo-Künstler, packte sein Werkzeug aus, rasierte eine etwa zehn Zentimeter breite Stelle oberhalb des rechten Vorderlaufes und stach das Herz hinein. Anschließend fotografierte er seine Arbeit und postete das Bild auf Instagram, zusammen mit einem kurzen Manifest. "Mein Hund ist cooler als deiner."

Das bewerteten die meisten User im Netz, wo sich das Bild rasend schnell verbreitete, ein bisschen anders. Der Tätowierer aus Brooklyn sah sich einem veritablen Shitstorm ausgesetzt.

Die empörte Menge erreichte etwas, was nur einer kleinen Minderheit von Online-Kampagnen gelingt: Die Politik reagierte und arbeitete in Rekordtempo ein Gesetz aus. Im Bundesstaat New York ist es ab sofort verboten, Tiere zu tätowieren oder zu piercen, wie die Nachrichtenagentur AP schreibt. Ähnliche Gesetze gibt es in den Bundesstaaten Pennsylvania und in New Jersey, wo 2011 eine Frau kleine Kätzchen gepierct und sie als "gothic" verkauft hat.

Wer jetzt denkt, so etwas könne nur Ostküsten-Hipstern mit übersteigertem Individualismus einfallen, der irrt. In Lüdinghausen, 23 000 Einwohner, plattes Münsterland und, nach allem, was man weiß, kein Platz, an dem sich übermäßig viele Hipster tummeln würden, wollte ein Mann vor vier Jahren seinem Pony ein 15 Zentimeter großes Zungenlogo tätowieren, das einem bekannten Rolling-Stones-Cover nachempfunden ist.

Mindestens drei Fälle von Tier-Tätowiererei

Der Pferdehalter sah darin sogar eine Geschäftsidee: Er plante, nicht nur sein eigenes Pferd zu bearbeiten, sondern sich als Tier-Tätowierer selbständig zu machen. Das Verwaltungsgericht in Münster vereitelte das, kurz bevor das Pony unter die Nadel kam. Tiere seien im Gegensatz zum Menschen nicht in der Lage "den Sinn von Schmerzen und die zeitliche Dimension abzuschätzen", so die Argumentation der Richter in Münster.

Ob alle Menschen jederzeit diese Fähigkeit besitzen, sei dahingestellt. Dass ein Eingreifen des Staates aber längst überfällig ist, zeigt die Tatsache, dass dieseits und jenseits des Atlantiks jetzt mindestens drei Fälle von Tier-Tätowiererei dokumentiert sind.

Das Problem könnte sich in Zukunft noch verschärfen. Jeder noch so voluminöse Menschenkörper ist nach Dutzenden Tattoos und Piercings irgendwann einmal voll. Die Tier-Tätowierer sehen es vermutlich so: Genauso wie der Mars eines Tages Ausweichquartier für die überbevölkerte Erde werden könnte, so ist das eigene Haustier eine Projektionsfläche für jene Bemalung, für die auf dem eigenen Körper kein Platz mehr ist.

Vielleicht denken sie auch, dass die Tierhaut eine gute Testfläche ist. Falls das Tattoo nichts wird, kann man immer noch das Fell drüberwachsen lassen.

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