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Prozess in Kiel:Der Wehrmachtspanzer aus der Tiefgarage

Prozess um Heikendorfer Wehrmachtspanzer

Für Nachbarn war der "Panther" von Heikendorf kein Geheimnis. Ist ja auch schwer zu übersehen.

(Foto: Carsten Rehder/dpa)

Darf ein Privatmann Kriegsgerät in seiner Villa horten? Ein 84-jähriger Rentner steht deshalb in Kiel vor Gericht.

Von Peter Burghardt, Kiel

Ein Panzer aus dem Weltkrieg in einem norddeutschen Keller, da waren auch die Ermittler etwas überrascht. Aber er stand vor ihnen bei dieser Razzia im Mai 2015. Typ Panther, Baujahr 1944. Mit Geschütz, alles in allem gut 44 Tonnen schwer. In der Tiefgarage von Klaus-Dieter F. in dessen Villa an der Kieler Förde. Deshalb betritt Herr F., inzwischen 84 Jahre alt, an diesem Freitag jetzt den Saal 232 des Kieler Landgerichts. Bis zur Prozesseröffnung hat es ein wenig gedauert.

Eigentlich suchten die Fahnder damals nach Nazi-Raubkunst, von einer Skulptur aus der ehemaligen Reichskanzlei im Garten war die Rede. Berichtet wird von einem Sammelsurium bizarrer NS-Devotionalien auf dem Anwesen des früheren Finanzvermittlers F. Dann entdeckten die Beamten vom Berliner Landeskriminalamt den Kampfpanzer sowie Torpedo, Mörser, Flak, Maschinengewehre, Sturmgewehre, Pistolen, Sprengstoff und mehr als 1500 Schuss Munition. Da wurde der Fund an der Ostsee ein Fall für die Justiz und die Weltpresse.

Sechs Jahre ist das her, nun sitzt Klaus-Dieter F. vor der 7. Strafkammer, ein kleiner Mann im dunkelblauen Jackett mit Goldknöpfen, hohe Stirn, Brille, starrer Blick. Er gibt nur seine Daten an. Jahrgang 1937. Beruf? "Kaufmann." Sonst schweigt er. Andere sprechen, es geht um mutmaßliche Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Mit dem Verlesen der Anklageschrift ist der Staatsanwalt eine Weile beschäftigt, er zählt eine ganze Liste an beschlagnahmtem Schießgerät auf. Dazu gehören auch eine Flugabwehrkanone vom Kaliber 8,8 Zentimeter und vorneweg der Panzerkampfwagen V Panther, zu dem es natürlich eine Geschichte gibt.

Die Soldaten brauchten neun Stunden, um den Panzer auf einen Tieflader zu packen

Ein britischer Waffenfreund spürte das deutsche Kriegsgefährt demnach 1977 schrottreif in Großbritannien auf und vermittelte es dem wohlhabenden Waffenfreund F. in Germany. In Solingen wurde der Panzer hergerichtet, und das so gründlich, dass er den Anklägern als Kriegswaffe gilt. Das sanierte Weltkriegsrelikt landete im Untergeschoss von Käufer F. in Heikendorf, Landkreis Plön, am Rande von Kiel. Die Bundeswehr soll für gut 28 000 Euro den Motor gewartet haben.

Für Nachbarn war der Panther von Heikendorf dem Vernehmen nach kein Geheimnis, der Sammler F. ist offenbar bekannt. Es dürfte schon aufgefallen sein, als der Panzer angeliefert wurde, so ein Panther mit Ketten und Kanone sticht doch noch eher ins Auge als zum Beispiel ein Porsche. Das Ausparken war dann nicht minder kompliziert als wahrscheinlich das Einparken. Ungefähr 20 Soldaten brauchten an die neun Stunden, um das Ungetüm in Millimeterarbeit auf einen Tieflader zu packen, mit Aktenzeichen am Kanonenrohr. Der geborgene Panther steht derzeit auf einem Armeegelände.

Auch die New York Times oder der Guardian staunten über den Nazipanzer aus dem Rentnerkeller. Es war kurios, aber wirklich lustig ist die Causa mit Granatwerfer und Rumpftorpedo nicht. Die Staatsanwaltschaft hält viele der sichergestellten Altwaffen für mehr oder weniger funktionsfähig und nicht entscheidend demilitarisiert. Das Gericht und die Verteidigung bezweifeln die Verwendbarkeit vor allem beim Panther, bei der Flak wiederum erkennt der Richter Möglichkeiten: "Das Rohr scheint in einem deutlich besseren Zustand zu sein."

Vom Panzer als Lebenswerk ist die Rede, eigenwilliges Hobby

Der Anwalt von Klaus-Dieter F. dagegen berichtet, dass es für die Flak gar keine Munition mehr gebe. Fünf extra zu produzierende Schuss würden demnach 216 000 Euro kosten. Es gehe seinem Mandanten nicht darum, das einsatzfähig zu halten, er sei untadelig und der Panzer mit Originalteilen restauriert worden. Vom Panzer als Lebenswerk ist die Rede, eigenwillige Leidenschaft.

Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz werden mit Haft bestraft. Eine Verständigung von Anklage, Verteidiger und Gericht könnte auf eine Bewährungsstrafe mit Geldbuße hinauslaufen und der Panzer an ein Militärmuseum in den USA verkauft werden. Beim nächsten Verhandlungstermin im Juni sollen Sachverständige auftreten. Experten für Panther-Panzer und Kanonen vom Kaliber 8,8 Zentimeter.

© SZ/afis
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