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Großbritannien:Gericht macht Emir von Dubai für Entführung und Folter verantwortlich

Prinzessin al-Hussein in London

Prinzessin Haya Bint al-Hussein, die sechste Frau des Emirs von Dubai, vor einer Anhörung in London.

(Foto: Aaron Chown/dpa)
  • Der Londoner High Court hat bislang unter Verschluss gehaltene Gerichtsurteile veröffentlicht.
  • Diese machen Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum für die Entführung zweier seiner Töchter und die Einschüchterung einer seiner Ehefrauen verantwortlich.
  • Seine jüngste Ehefrau Prinzessin Haya Bint al-Hussein war im vergangenen Frühjahr mit Tochter Jalila und Sohn Zayed von Dubai nach London geflohen.

Bis zuletzt hatte der Emir von Dubai versucht, die Sache geheim zu halten. Doch daraus wurde nichts. Der Londoner High Court veröffentlichte nun bislang unter Verschluss gehaltene Gerichtsurteile, die Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum für die Entführung zweier seiner Töchter und die Einschüchterung einer seiner Ehefrauen verantwortlich machen. Es sind Dokumente des Machtmissbrauchs, die den Emir von Dubai als skrupellosen Herrscher bloßstellen, der dem Gericht zufolge auch nicht vor Folter zurückschreckt.

Die Urteile sind im Zuge eines Sorgerechtsstreits zwischen dem 70 Jahre alten Scheich und seiner jüngsten Ehefrau, Prinzessin Haya Bint al-Hussein, gefallen. Im vergangenen Frühjahr war die 45-Jährige mit Tochter Jalila, zwölf, und Sohn Zayed, sieben, von Dubai nach London geflohen. Haya legte dem dortigen Gericht dar, dass sie sich vor ihrer Flucht immer stärker von ihrem Ehemann bedroht gefühlt habe. Um sie einzuschüchtern, habe der Scheich mindestens zweimal eine Waffe auf ihr Bett legen lassen. In ihrem Schlafgemach fand sie zudem eine unmissverständliche Botschaft, geschrieben von einem anonymen Absender: "Wir werden dir deinen Sohn nehmen - deine Tochter gehört uns - dein Leben ist vorbei."

Eines Tages landete einer der Helikopter des Scheichs vor ihrem Haus, als sie mit ihren beiden Kindern daheim war. Der Pilot sagte ihr laut den Gerichtsakten, er werde sie nach Awir bringen, einem berüchtigten Gefängnis in Dubai. Der Scheich bestätigte dem Londoner High Court, dass einer seiner Hubschrauber vor dem Haus Hayas gelandet sei, und erklärte, dies sei "einfach ein Fehler" gewesen. Dem Gericht zufolge haben dieser und all die anderen Vorfällen die Prinzessin "in große Angst" versetzt.

Für die Einschüchterungsversuche gab es wohl vor allem zwei Gründe: Haya hatte eine außereheliche Beziehung mit ihrem britischen Bodyguard begonnen. Außerdem äußerte sie ihre zunehmende Sorge darüber, wie zwei Töchter des Emirs behandelt worden seien, die allerdings nicht ihre Kinder sind.

Fluchtversuch mit Yacht

Die eine Tochter, Scheicha Latifa, heute 34 Jahre alt, hatte 2018 versucht, die Vereinigten Arabischen Emirate mit einer Yacht zu verlassen. Doch der Fluchtversuch scheiterte vor der indischen Küste. Sie soll von einem Spezialkommando gestoppt und gewaltsam nach Dubai zurückgebracht worden sein. In einem Video hatte sie zuvor erklärt, warum sie nicht mehr in einem goldenen Käfig leben wolle. Ihrem Vater warf sie darin vor, für die Wahrung seines guten Rufs zu töten.

Es war damals bereits ihr zweiter Versuch, aus ihrer Heimat zu fliehen. Bereits im Jahr 2002 war sie eigenen Angaben zufolge unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten worden - laut Gericht handelte es sich dabei um Folter.

Ihre ältere Schwester Scheicha Shamsa, mittlerweile 38 Jahre alt, wurde im Jahr 2000 in Großbritannien entführt und nach Dubai zurückgebracht, nachdem sie versucht hatte, sich von zu Hause loszusagen. Beide Töchter des Emirs sollen noch immer gefangen gehalten werden. In einer Erklärung teilte der Scheich mit, dass die vom Gericht festgestellten Vorkommnisse "nur eine Seite der Geschichte erzählen"; er bat darum, das Privatleben seiner Kinder zu respektieren.

Mindestens 25 Kinder von verschiedenen Frauen

Der zuständige Richter Sir Andrew McFarlane erklärte, dass die Vorwürfe von Prinzessin Haya ausgiebig geprüft und als glaubwürdig erachtet worden seien. Am Ende habe sie keine andere Wahl gehabt, als Dubai mit ihren beiden Kindern zu verlassen.

Haya ist die jüngste von insgesamt sechs Frauen des Emirs und die Halbschwester des jordanischen Königs Abdullah II. Der Emir von Dubai, der zugleich Vizepräsident, Ministerpräsident und Verteidigungsminister der Vereinigten Arabischen Emirate ist, hat mindestens 25 Kinder von verschiedenen Frauen. Haya sagte dem Gericht, dass sie fürchte, dass es ihrer Tochter und ihrem Sohn genauso ergehen könnte wie Shamsa und Latifa. Die veröffentlichten Urteile werden nun in die Gerichtsentscheidung im Sorgerechtsstreit zwischen dem Scheich und der Prinzessin einfließen.

© SZ/nas/cat
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Haya bint al-Hussein, die Frau des Emirs von Dubai, ist vor ihrem Mann nach Großbritannien geflüchtet. Von dort aus kämpft sie um das Sorgerecht für ihre Kinder - und für ihren persönlichen Schutz.   Von Dunja Ramadan

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