Gerhard Schröder:Hafer ist die Hoffnung

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Gerhard Schröder: So kannte man Gerhard Schröder bislang. Als Freund und Verteidiger der Bratwurst.

So kannte man Gerhard Schröder bislang. Als Freund und Verteidiger der Bratwurst.

(Foto: Sven Simon/imago)

Currywurst war einmal: Gerhard Schröder knabbert nun an Artischockenblättern und löffelt morgens Müsli. Was will er der Welt mit seiner Ernährungsumstellung sagen?

Von Mareen Linnartz

In Klatschmagazinen gibt es die gemeine, aber sehr beliebte Fotorubrik, Bilder von Prominenten nebeneinander zu stellen und "Vorher-Nachher" darüber zu schreiben. Links, also vorher, sieht man dann zum Beispiel eine bezaubernde Schauspielerin mit Bronze-Teint, wallender Mähne und taufrischem Lächeln, leider keine ganz aktuelle Aufnahme, denn die ist rechts ranmontiert und in neun von zehn Fällen natürlich fürchterlich: sichtbar ein paar Kilo mehr, fahle Haut, fettige Haare, sodass sich wirklich jeder und jede die Frage stellt: Was ist denn hier passiert?

Soyeon Schröder-Kim, die Social-Media-Beauftragte und fünfte Ehefrau von Ex-Kanzler und Putin-Freund Gerhard Schröder, hat dieser Tage genau so eine Gegenüberstellung ihres Gatten auf ihrem Instagram-Kanal gepostet, allerdings mit einer deutlich positiveren Ausrichtung. Unter die Collage schrieb sie: "Nach und vor der FREIWILLIGEN Ernährungsumstellung."

Genau so steht es da, in Versalien, niemand soll bitte auf die Idee kommen, sie würde ihren Mann zu irgendetwas zwingen. Der wollte, mit 78, ganz alleine weg von Currywurst, Zigarren und "Hol' mir mal ne Flasche Bier"! Also lächelt einen links, in diesem Fall nachher, ein sichtlich strafferer Schröder in flottem Netzoptik-T-Shirt und lodengrünem Blazer an, während rechts, also vorher, ein teigiger Altkanzler mit trägen Lidern und fader Business-Krawatte in die Kamera, ja, man kann es nicht anders sagen: glotzt.

Aus dem Gas-Gerd ist nun ein Gerd am Herd geworden

Was ist passiert? In Kurzform, und das soll vermutlich die unterschwellige Botschaft sein: Der Gas-Gerd, der noch im vergangenen Frühjahr in einem Gespräch mit der New York Times völlig frei von Selbstreflexion polterte, er mache "nicht auf Mea Culpa", das sei einfach nicht sein "Ding", macht jetzt auf Gerd am Herd. Das ist natürlich deutlich harmloser. Und so postet auf mehrfache Nachfragen ihrer Follower (knapp 50 000) Schröder-Kim den #Ernährungsplan_2023 des Paares: Morgens gebe es "Haferflocken und Hafermilch mit frischem Obst", mittags "viel Gemüse" und nur "gelegentlich Fleisch", bevor abends "vorwiegend" Artischocken gereicht würden.

Artischocken scheinen es Gerhard Schröder sehr angetan zu haben. Einmal dozierte er in einem Video auf dem Kanal seiner Frau vollkommen ernst über deren Zubereitung: "Die werden gekocht, und zwar im natürlichen Wasser, aber versetzt mit zwei Zitronen, bio selbstverständlich, Salz."

Eine schöne Vorstellung: das Paar, wie es Abend für Abend die Artischocken-Blätter zupft und sich dann freut, wenn es endlich in das schmackhafte Herz dieses so entgiftenden Gemüses vorgestoßen ist, während es sich in allerbester Plauderlaune unterhält: Wollen wir morgen früh lieber Granatapfelkerne oder Apfelstückchen zum Hafermüsli mischen? Hast du etwas von Wladimir gehört? Schatz, hättest du Lust, morgen auf meinem Kanal in einem kleinen Video ein Gedicht vorzutragen?

Und so sieht man dort vor wenigen Tagen ein kleines Video. Gerhard Schröder sitzt im Fond einer Limousine, fast ein Jahr, nachdem sein Freund und "lupenreiner Demokrat" Putin die Ukraine überfallen hat. "Vom Eise befreit sind Strom und Bäche", rezitiert er, hochkonzentriert, "im Tale grünet Hoffnungsglück". Wenig später bricht er ab: "Mehr kann ich nicht", er schaut bedeutungsschwer in die Kamera, "von Goethes Osterspaziergang." Was hatte ein Follower unter das Nachher-Vorher-Bild zur Schröderschen Ernährungsumstellung geschrieben? "Super. Das mache ich auch gerade. Bei der Gelegenheit wäre auch die Umstellung seiner Beziehung zu Putin wünschenswert."

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