Genua Italien lehnt Geld von Autobahnbetreiber ab

Luigi Di Maio (3.v.l.), Minister für wirtschaftliche Entwicklung von Italien, kommt zur Trauerfeier für die Opfer des Brückeneinsturzes in Genua.

(Foto: dpa)
  • Der Staat werde keine Almosen annehmen, erklärt Vizepremier Di Maio.
  • Das Unternehmen will ab Montag 500 Millionen Euro an Hilfen für die Opfer und den Wiederaufbau der Brücke bereitstellen.
  • Zugleich wies der Präsident von Autostrade per I'Italia Vorwürfe der Regierung zurück, die Verantwortung für das Unglück mit 42 Toten zu tragen

Die italienische Regierung lehnt nach dem Brückeneinsturz in Genua finanzielle Hilfen des privaten Autobahnbetreibers ab. "Um ganz klar zu sein: Der Staat wird von Autostrade keine Almosen annehmen", schrieb Vizeministerpräsident Luigi Di Maio auf Facebook. Die Regierung werde das Verfahren zum Lizenzentzug fortsetzen.

Autostrade per l'Italia hatte am Samstag 500 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Autobahnbrücke sowie für Hilfszahlungen an die Stadt Genua zugesagt. Beim Überschlagen der Folgekosten des Unglücks "kommt man schnell auf eine halbe Milliarde Euro", sagte Unternehmenschef Giovanni Castellucci bei einer Pressekonferenz. Diese Gelder stünden ab Montag bereit.

Zugleich wies Castellucci Vorwürfe der Regierung zurück, für das Unglück verantwortlich zu sein: "Wir denken nicht, dass die Voraussetzungen vorliegen, Verantwortung für ein Ereignis zu übernehmen, dessen Ursache zunächst noch ermittelt werden muss", sagte er. Er bat zugleich um Entschuldigung, nicht genügend Mitgefühl für die Opfer gezeigt zu haben. Er versprach den betroffenen Familien zu helfen, die infolge des Unglücks ihre Häuser verlassen mussten. Sein Unternehmen könne eine neue Brücke in acht Monaten bauen, sobald die nötigen Genehmigungen vorlägen, sagte Castellucci weiter.

Die italienische Regierung macht Autostrade per l'Italia für den Brückeneinsturz verantwortlich. Innenminister Matteo Salvini hatte die Betreiber bereits am Donnerstag aufgefordert, etwa 500 Millionen Euro für betroffene Familien und örtliche Behörden bereitzustellen. "Wir werden auf einer glaubwürdigen Erstattung bestehen, und es wird keinen Tauschhandel geben", erkärte Di Maio.

Mattarella bei zentraler Trauerfeier

In Genua nahmen am Samstag 3000 Menschen, darunter auch Staatspräsident Sergio Mattarella und die Spitzen der Regierung an der zentralen Trauerfeier teil. In einer Messehalle standen 18 Särge aufgebahrt, darunter auch ein kleiner weißer mit der Leiche des jüngsten Opfers. Die Angehörigen der übrigen Opfer wollten privat in ihren Heimatorten trauern. Sie begründeten dies mit Wut und Enttäuschung über das mutmaßliche Versagen des Staates und der Reaktionen der Politiker.

Bei dem Brückeneinsturz waren am Dienstag 42 Menschen ums Leben gekommen, hunderte Anwohner mussten ihre Häuser verlassen. Am Abend starb ein rumänischer Lastwagenfahrer, der bei dem Einsturz schwer verletzt worden war, wie das San-Martino-Krankenhaus mitteilte. Mit der Morandi-Brücke verlor Genua außerdem eine wichtige Verbindung zwischen dem Ost- und dem Westteil der Stadt. Außerdem gehörte sie zur A10 und damit zu einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Italiens.

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