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Gentechnik:Künstlicher Virus in 14 Tagen

Wissenschaftler um den Genetiker Craig Venter haben innerhalb von nur zwei Wochen den harmlosen Virus Phi-X174 nachgebaut. Ähnliche Versuche in der Vergangenheit hatten mehrere Jahre gedauert.

Der gesamte Herstellungsprozess dauerte nur zwei Wochen, berichtet das Team um den bekannten Genetiker Craig Venter in einem vorab veröffentlichten Bericht der Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS).

Der Prozess war mit Hilfe eines abgewandelten Verfahrens weitaus genauer als alle bisherigen Versuche und forderte nur noch einen Bruchteil ihrer Zeit.

Venter selbst stellte das Virus Phi-X174 am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit dem amerikanischen Energieminister Spencer Abraham vor. Die US-Regierung hatte die Forschung im Hinblick auf verbesserte Methoden der Energiegewinnung mit finanziert.

Venter erläuterte, dass das Virus Phi-X174 aus ethischen Gründen für das Experiment gewählt worden war: es kann weder Mensch noch Tier, sondern nur Bakterien infizieren.

"Die Synthese von Phi-X174 ... ist ein wichtiger Schritt in Richtung auf das Ziel, das Erbgut eines (komplexen) Zellorganismus zu erstellen", sagte Venter bei der Pressekonferenz.

Im Juli 2002 hatte ein anderes US-Team den Erreger der Kinderlähmung im Labor erstellt, angeblich jedoch mit einem fehlerhaften Erbgut. Die Erzeugung dieses Poliovirus hatte weltweit Alarm ausgelöst. Forscher, Politiker und Ethiker äußerten gemeinsam Sorge über die Gefahr biotechnischer Angriffe.

Doch anders als jenes Team, das drei Jahre für den Bau des Virus gebraucht hatte, gelang es den Forschern um Venter vom Institut für Biologische Alternative Energien (IBEA) in Rockville (US-Bundesstaat Maryland), das Erbgut des Phi-X174 in einem Bruchteil der Zeit zu bauen.

Dazu diente ihnen eine abgewandelte Form der PCR-Technologie (Polymerase Chain Reaction), die Erbgut-Schnipsel kopiert. Venter nennt die neue Methode Polymerase Cycle Assembly (PCA).

"Die Fähigkeit, künstliche Genome (Erbgut) zu erstellen, verspricht enorme Fortschritte für das Ziel, eines Tages Mikroorganismen für Energie- und Umweltaufgaben zu produzieren", sagt Venter.

Außerdem erhofft sich der Forscher, der vor Jahren als erster eine grobe Blaupause des menschlichen Erbguts erstellt hatte, von dem Verfahren neue, maßgeschneiderte Impfstoffe, die Behandlung Antibiotika resistenter Infektionen und sowie mehr Schutz vor Bioterror.

(sueddeutsche.de/dpa)