Geburten:Plötzlich weniger Babys

Lesezeit: 1 min

Ein Baby hält eine Hand

Im ersten Quartal 2022 sind in Deutschland deutlich weniger Babys als im Vorjahr zur Welt gekommen.

(Foto: Fabian Strauch/dpa)

In Deutschland ist die Anzahl der Geburten laut einer Studie zu Jahresbeginn stark gesunken. Forscher machen dafür die Auswirkungen der Pandemie verantwortlich.

Von Ann-Kathrin Eckardt

So viele Geburten wie zuletzt 1997, aber so wenige Hochzeiten wie seit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr - das vermeldete noch im April das Statistische Bundesamt für 2021. Doch seit Beginn des Jahres 2022 kommen plötzlich deutlich weniger Babys als in den Vorjahren zur Welt - die Kurve der Geburtenziffern fällt steil ab. Das geht aus einer internationalen Studie hervor, die das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung mit der Universität Stockholm am Dienstag veröffentlicht hat. Die Studie stellt die Gesamtfruchtbarkeitsrate (TFR) auf Grundlage der monatlichen Geburtenstatistik saisonbereinigt dar.

Während die TFR in Deutschland von 2015 bis 2021 noch zwischen 1,5 und 1,6 Kindern pro Frau pendelte, ist sie zum Jahresanfang 2022 auf 1,3 bis 1,4 gesunken und in den folgenden drei Monaten auf diesem Niveau geblieben. Demnach ergibt sich ein massiver Rückgang der TFR in Deutschland um mehr als zehn Prozent gegenüber den Jahren vor der Pandemie. Während in vielen europäischen Ländern die Fruchtbarkeitsziffer schon zu Beginn der Pandemie sank, blieb sie in Deutschland zunächst konstant, stieg sogar leicht an.

Wie kommt es zu diesem Umschwung? Eine wesentliche Ursache sieht die Studie darin, dass Frauen beim Start der Impfkampagne im Frühjahr 2021 ihren Kinderwunsch zunächst zurückgestellt haben: "Es ist plausibel, dass sich manche Frauen erst impfen lassen wollten, bevor sie schwanger werden", sagt Martin Bujard, Forschungsdirektor am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. "Da die Impfung zunächst für Schwangere nicht empfohlen war, wurde der Kinderwunsch oftmals aufgeschoben."

Im Mai 2022 zeichnete sich wieder eine leichte Erholung der Geburtenziffer ab (1,48), was auf ein Ende dieses Aufschubs hindeuten könnte. Wie die Entwicklung der Geburten in den kommenden Monaten weitergeht, ist derzeit noch unklar. Mit dem kräftigen Einbruch ist Deutschland übrigens nicht alleine. Die Studie zeigt: Auch in den Ländern Skandinaviens, die normalerweise höhere Fruchtbarkeitsziffern aufweisen, ist dieser Rückgang erkennbar.

Zur SZ-Startseite

Beliebteste Vornamen
:Weiches A

Emilia und Noah waren im vergangenen Jahr die beliebtesten Vornamen für Neugeborene. Vor allem bei den Mädchennamen gilt: Es soll "kurz, zeitlos, positiv" sein.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB