Gebäude aus Fernsehserie "Aber reinlassen können wir die Leute natürlich nicht"

Die Verträge sind frisch unterschrieben, zum 1. August übernimmt die Freiburger Kur und Reha GmbH das Haus von der Deutschen Rentenversicherung. Melchert Frank, der Geschäftsführer der Kur und Reha, empfängt in seinem Freiburger Büro unter zwei Sehnsuchtspostern: Eines zeigt einen philippinischen Traumstrand, das andere die Schwarzwaldklinik. Eine in Freiburg ansässige Akutklinik für psychosomatische Erkrankungen werde nach Glottertal ziehen, erklärt Frank, für körperliche Beschwerden also, die durch psychische Belastung hervorgerufen werden. "Das ist ein sehr guter Standort, die Abgeschiedenheit bietet die Möglichkeit zu Besinnung."

25 Betten und 25 Tagesplätze sind geplant, vier Millionen Euro sollen investiert werden, in eine moderne Pelletheizung, neue Fenster, eine Sprinkleranlage für den Brandschutz. Frank sagt: "Die Struktur werden wir aber unverändert erhalten." Vor vielen Jahren hat er ein Praktikum im Carlsbau gemacht, 1994 war er sogar Betriebsleiter in der dortigen Mutter-Kind-Klinik. Er hat alles noch erlebt: Bis zu 60 Touristenbusse täglich, Belagerungszustand in Glottertal. "Die Ärzte sind mit dem Auto manchmal gar nicht durchgekommen zur Arbeit." Die Patienten hätten sich beobachtet gefühlt wie Tiere im Zoo.

Heute sind es noch ein paar Autos täglich, Foto auf der Wussow-Brücke, rauf zur Klinik. Klar, man freue sich über das Interesse, sagt Frank. "Aber reinlassen können wir die Leute natürlich nicht."

Dafür dürfen sie bei Fritz Schill rein, um bei einem Kännchen Kaffee und einer Schwarzwälder Kirsch die mit Fotos tapezierte Wand zu studieren: Professor Brinkmann macht Schwester Christa schöne Augen, Pfleger Mischa flieht vor der resoluten Oberschwester Hildegard. Einige der Darsteller sind mittlerweile gestorben, auch Klausjürgen Wussow ist schon sechs Jahre tot, Schill war auf seiner Beerdigung.

Eines, sagt Schill, werde aber nie sterben, davon sei er fest überzeugt: "Das ist die Sehnsucht der Leute nach einem Menschen, dem sie vertrauen können, einem guten Kerl wie diesem Professor Brinkmann." Selbst jetzt, wo TV-Ärzte Dr. House heißen und drogenberauschte Irre sind.

Früher, erzählt Schill, hätten sich Schwerkranke im Rettungswagen ans Klinikportal bringen lassen und darauf bestanden, sofort von Brinkmann persönlich behandelt zu werden. Einmal kam eine alte Dame zu ihm ins Café, sie war verstört, weil Mitfahrer in ihrem Bus behaupteten, Brinkmann sei gar kein Arzt. Fritz Schill hat ihr gesagt: "Ach, wissen Sie, die Leute sind so bös', glauben Sie denen kein Wort."

Die "Schwarzwaldklinik" hat Fritz Schills Leben auf den Kopf gestellt. Er war Friseur, bevor er Café-Betreiber und Souvenirhändler wurde. Das sei einträglicher gewesen und erfüllender. Andere Glottertaler dagegen waren genervt vom großen Ansturm auf ihre kleine Gemeinde. Das wiederum nervt Schill bis heute: "Keiner hier unten kümmert sich mehr um das Thema Schwarzwaldklinik. Wenn wir mal den Laden zumachen, ist es vorbei."

Oben in der Klinik, da zumindest wird es jetzt weitergehen.