Gasplattform Elgin Kilometerlanger Ölfilm in der Nordsee

Nahe der havarierten Bohrinsel Elgin in der Nordsee haben Umweltschützer von Greenpeace einen kilometerlangen Ölfilm entdeckt. Im Labor soll nun untersucht werden, wie stark die Umwelt dadurch geschädigt wird. Der Plattformbetreiber Total bereitet die Abdichtung des Gaslecks vor.

Aus der havarierten Bohrinsel Elgin tritt Öl aus. Experten der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die mit einem Forschungsschiff nahe der Unglücksstelle unterwegs sind, haben einen mindestens fünfeinhalb Kilometer langen Ölfilm gefunden. "Unser Schiff befindet sich in einer großflächigen Ölverschmutzung und wir sehen gelbliche Chemikalienbrocken auf dem Ölteppich schwimmen", sagte Meeresexperte Christian Bussau. Es rieche wie an der Zapfsäule einer Tankstelle. Laboruntersuchungen sollen nun zeigen, welche Umweltschäden durch den Ölfilm verursacht werden.

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Greenpeace hatte das Forschungsschiff von Cuxhaven aus entsandt, um die Verschmutzung von Luft, Wasser und Meeresboden zu bestimmen. Erste Proben der verschmutzen Luft wurden bereits genommen und sollen in einem Hamburger Labor ausgewertet werden. Bei den Schadstoffmessungen müssen die Umweltschützer eine von der Küstenwache errichtete Drei-Meilen-Sperrzone einhalten. Mittels einer Infrarotkamera will Greenpeace außerdem versuchen, die Austrittsstelle des klimaschädlichen Methangases zu ermitteln, um die Angaben von Total zu prüfen.

Pläne zur Abdichtung des Gaslecks

Der Betreiberkonzern treibt wiederum Pläne voran, das Leck abzudichten. In einem ersten Schritt soll ein Expertenteam zur Plattform entsendet werden. Es handele sich um Fachleute von Total und der Fachfirma Wild Well Control, die auch im Kampf gegen das Ölleck an der explodierten US-Plattform Deepwater Horizon im Einsatz war, sagte eine Unternehmenssprecherin. Total hat den zuständigen britischen Behörden bereits ein Gutachten zu den Gefahren der Mission vorgelegt; das weitere Vorgehen soll am Montag besprochen werden.

Total plant, das Gasleck, das etwa 25 Meter über dem Meeresspiegel liegt, zunächst vorübergehend mit Bohrschlamm zu verstopfen und gleichzeitig mit zwei Entlastungsbohrungen dauerhaft zu entschärfen. Die Arbeiten könnten sechs Monate dauern und Milliarden kosten.

Gewerkschaftler kritisieren die Pläne als hochgefährlich. "Das Ganze müsste perfekt ausgeführt werden. Ein herunterfallender Hammer könnte das Gas zur Explosion bringen", sagte ein Arbeitnehmervertreter.

Die Gasplattform Elgin, etwa 240 Kilometer vor der schottischen Küstenstadt Aberdeen, war nach der Entdeckung des Lecks vor mehr als einer Woche evakuiert worden. Am Wochenende erlosch eine zum Abfackeln von Gasresten genutzte Flamme, die unmittelbare Gefahr einer Explosion ist damit gebannt. Doch nach wie vor strömen große Mengen Methangas aus, das 21 bis 23 mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid.