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Gasleck an Total-Plattform in der Nordsee:Sicherheitsvorkehrungen verschärft

Seit drei Tagen tritt potentiell explosives Gas an einer Plattform in der schottischen Nordsee aus. Die Betreiberfirma hatte ihre Mitarbeiter direkt nach Entdeckung des Lecks abgezogen, nun evakuiert auch Shell Arbeiter benachbarter Förderinseln. Die Küstenwache hat eine Sperrzone errichtet.

Seit Sonntag strömt das Gas aus, unaufhaltsam, wie viel bereits ausgetreten ist, weiß niemand. Die Bohrstation Elgin liegt seit der Entdeckung des Lecks verlassen vor der schottischen Nordseeküste, die 238 Arbeiter des französischen Konzerns Total wurden schon am Sonntag in Sicherheit gebracht. Doch zwei Tage später ist das Leck noch immer nicht unter Kontrolle. Die Behörden haben nun Konsequenzen gezogen - und die Sicherheitsvorkehrungen ausgeweitet.

Die Küstenwache errichtete um die Plattform eine Zwei-Meilen-Sperrzone (das entspricht 3,7 Kilometern) für Schiffe und eine Drei-Meilen-Zone für Flugzeuge. Von zwei benachbarten Bohrinseln des Energieriesen Shell, Shearwater und Noble Hans Deul, wurden große Teile des Personals abgezogen.

Bei dem austretenden Gas, das Berichten zufolge in einer Wolke über der Plattform steht, handelt es sich nach Total-Angaben um ein Gas-Kondensat, das in flüssiger Form gefördert wird. Es sei entzündlich und potentiell auch explosiv. Die Auswirkungen auf die Umwelt seien jedoch deutlich geringer als etwa bei Erdöl. Das Kondensat sei sehr leicht und verflüchtige sich.

Der Plattform-Betreiber kündigte an, "alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um das Leck zu identifizieren." Der Sprecher bezeichnete die Gefahr, dass die Plattform explodieren könne, als gering. "Aber man sollte nie nie sagen", sagte er. Er schloss auch eine Vergrößerung der Sperrzone nicht aus.

Aufklärung per Flugzeug

Experten aus aller Welt würden eingeflogen, um das Leck zu stoppen. Eine Möglichkeit sei, ein Entlastungsloch zu bohren, allerdings wäre dies sehr zeitaufwändig. Ein Flugzeug flog am Montag zweimal über die Unglücksstelle, um Klarheit über die Situation vor Ort zu verschaffen, für Dienstag waren drei weitere Flüge geplant.

Nach Angaben von Total handelt es sich für den französischen Energiekonzern um den schwersten Zwischenfall in der Nordsee seit einem Jahrzehnt. Es könne Wochen oder Monate dauern, bis das Leck gestopft sei. "Wir versuchen alles, um es unter Kontrolle zu bekommen", sagte der Unternehmenssprecher.

Bei einer Explosion auf der Öl-Plattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko waren vor knapp zwei Jahren elf Arbeiter getötet worden. Das Unglück löste die größte Umweltkatastrophe der US-Geschichte aus.