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Großbritannien:Ex-Popstar Gary Glitter nach Verstoß gegen Auflagen wieder in Haft

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Der Brite musste 2015 wegen mehrerer Fälle von Kindesmissbrauch ins Gefängnis. Anfang Februar kam er nach acht Jahren Haft frei. Dagegen gab es Proteste.

Nur etwa fünf Wochen nach seiner Haftentlassung muss der wegen Kindesmissbrauchs verurteilte britische Ex-Popstar Gary Glitter wieder ins Gefängnis. Der 78-Jährige habe gegen seine Auflagen verstoßen, teilte der Bewährungsdienst mit. Details wurden nicht genannt. "Der Schutz der Öffentlichkeit hat für uns Priorität", sagte ein Behördensprecher dem Sender Sky News. "Deshalb legen wir scharfe Bedingungen fest, und wenn Straftäter diese brechen, zögern wir nicht, sie wieder einzusperren."

Der einstige Glamrockstar, der Anfang der 1970er Jahre bekannt wurde, war am 3. Februar entlassen worden. Er hatte die Hälfte seiner Haftstrafe verbüßt. Er war im Februar 2015 zu 16 Jahren Haft wegen mehrerer Fälle aus den 1970er Jahren verurteilt worden. Eines der Opfer soll jünger als zehn Jahre gewesen sein.

Die Jury eines Gerichtes in London hatte Glitter für schuldig befunden. Der Richter warf ihm bei der Urteilsverkündung vor, er habe kaum Reue gezeigt. Seinen Opfern habe er "echten und anhaltenden Schaden zugefügt", sagte damals der Vorsitzende Richter Alistair McCreath bei der Verkündung des Strafmaßes.

In Großbritannien ist es üblich, dass die Strafe nach der Hälfte zur Bewährung ausgesetzt wird. Gegen die Freilassung gab es Proteste.

Verurteilung wegen Besitzes von kinderpornografischem Material

1999 wurde Glitter, der mit bürgerlichem Namen Paul Gadd heißt, wegen Besitzes von kinderpornografischem Material in Großbritannien zu vier Monaten Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung flüchtete er nach Kuba und Kambodscha. Dort wurde er eher widerwillig von den Behörden geduldet und schließlich nach wiederholten Presseberichten über seine Vergehen ausgewiesen.

2006 wurde er in Vietnam zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er zwei minderjährige Mädchen missbraucht hatte. Er stritt die Tat stets ab. Nach seiner Entlassung 2008 musste er sich zurück in London in ein Register von Sexualstraftätern eintragen und die Polizei über seine Aufenthaltsorte informieren.

Im Zusammenhang mit dem Kinderschänder-Skandal um den ehemaligen BBC-Moderator Jimmy Savile, der 2011 gestorben war, wurde Glitter im Jahr 2012 erneut verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, in Saviles Umkleidekabine ein Mädchen missbraucht zu haben. Er bestritt dies und wurde gegen Kaution auf Bewährung freigelassen.

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