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Ganz schön wild:Die Rückkehr der Räuber

Wölfe und Luchse siedeln bereits wieder im Freistaat Bayern, und beim Braunbären ist es nur noch eine Frage der Zeit.

Sie kommen meist nachts. Schleichen über die Grenze. Spionieren die Umgebung aus. Bis der Morgen graut, sind sie meistens schon wieder weg. Nur ihre Spuren verraten: Die Grenzen von Schengen-Land sind löchrig wie ein Schweizer Käse.

Ein Braunbär nimmt ein Bad in einem mit grüner Entengrütze bedeckten Wasserbecken.

(Foto: Foto: dpa)

Inzwischen haben sich einige der nächtlichen Besucher in Bayern heimlich, still und leise niedergelassen. Und anders als in früheren Zeiten sind sie jetzt zumeist auch noch herzlich willkommen. Durch die Hintertür nach Bayern schon eingewandert sind Luchse und Wölfe, und neuerdings gibt es deutliche Hinweise, aus denen Experten schließen, dass sich nun auch noch der Braunbär mit Ansiedlungsabsichten im Freistaat trägt.

Die Rückkehr der drei Raubtiere ist aus Sicht des Natur- und des Artenschutzes das Happy End einer anfangs zutiefst blutrünstigen Geschichte, in deren Verlauf Bären, Luchse und Wölfe von Menschen gnadenlos gejagt wurden, bis sie schließlich in Mitteleuropa ganz ausgerottet waren.

Etwa um 1835 wurde in der Umgebung von Ruhpolding der vermutlich letzte Bär in Bayern geschossen. Etwa um die gleiche Zeit mussten auch Wolf und Luchs dran glauben.

Konkurrenz zwischen Mensch und Tier

Den Fleisch fressenden Räubern wurde zum Verhängnis, dass sie mit Gams, Reh und Hirsch die gleiche Beute jagten wie der Mensch, dem sie damit zum verhassten Konkurrenten wurden.

Da zuweilen aber auch Schafe und weidende Kälber gerissen wurden, war auch die Landbevölkerung nicht gut auf Luchse und Wölfe zu sprechen. Aber auch der Bär, der damals noch nicht das Image eines Kuscheltieres hatte, galt wegen seiner schieren Stärke als Feind des Menschen. Hinzu kam schließlich der so genannte Rotkäppchen-Mythos, der zunächst den Wolf als menschenfressende Bestie verunglimpfte, was dann auch auf die anderen Wildtiere übertragen wurde.

Erst, als es sie nicht mehr gab, setzte man sich gründlicher mit den Lebensgewohnheiten der angeblich so gefährlichen Raubtiere auseinander. Dank intensiver Forschung und steter Aufklärung weiß man heute, dass die wilden Tiere äußerst scheu sind und den Menschen - wenn es nur irgend geht - eher meiden.

Rotkäppchen und der gute Wolf

"Eine Begegnung mit Bären verläuft in der Regel so, dass sich Mensch und Bär zurückziehen - jeder in eine andere Richtung", weiß Hubert Zierl. Der langjährige ehemalige Chef des Nationalparks Berchtesgaden am Königssee hat nicht nur selbst Kontakt mit Bären in der freien Wildbahn gehabt, sondern seine Bären-Kenntnisse auch im Fachaustausch mit anderen Nationalpark-Verwaltungen in Europa und Übersee erworben.

Entwarnung geben die Experten heute aber auch mit Blick auf Luchs und Wolf.