bedeckt München 24°

Auktion in Großbritannien:Brille von Gandhi aufgetaucht

Angebliche Brille von Gandhi wird versteigert

Diese Brille trug mit einiger Sicherheit einst Mahatma Gandhi, der Pionier unter den Nickelbrillenträgern.

(Foto: dpa)

In Bristol wird eine Brille von Mahatma Gandhi versteigert. Sie lag eines Tages plötzlich im Briefkasten des Auktionshauses. Wie ist sie dort hingekommen?

Von Martin Zips

Es ist ja nicht so, dass Mahatma Gandhi nur eine Brille getragen hätte. Natürlich hatte er mehrere. Und manchmal verschenkte er sie sogar. Zum Beispiel an einen britischen Oberst, der den politischen Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung zuvor um Erleuchtung gebeten hatte. Gandhi soll ihm seine Sehhilfe mit den Worten überreicht haben: "Dies sind die Augen, die mir die Vision eines freien Indiens zeigten."

Nun ist mal wieder eine Brille des 1869 geborenen Asketen aufgetaucht. Schmucklos lag sie in einem Kuvert, in einem Briefkasten eines Auktionshauses in Bristol. Dazu ein Zettel mit dem Hinweis, dass diese Brille einst, richtig, Gandhi gehörte. Sowie eine Telefonnummer.

Die Brille war ein Geschenk für den Onkel

Der Auktionator, Andy Stowe heißt er laut BBC und CNN, habe sofort angerufen und einen 80 Jahre alten Mann am Hörer gehabt. Dieser habe behauptet, der indische Kämpfer gegen die britische Kolonialherrschaft habe die Brille einst seinem Onkel geschenkt, der wiederum für eine Ölfirma in Südafrika gearbeitet habe. Offenbar sei Gandhi seinem Onkel also für irgendwas dankbar gewesen. (Oder habe ihm nur die Augen öffnen wollen.)

"Wenn sie nichts wert ist", so der Mann am Telefon, "dann schmeißen Sie sie einfach in den Müll." Doch Auktionator Stowe recherchierte die Geschichte, ihm erschien sie recht plausibel. Daher soll das Sehgerät nun versteigert werden. Am 21. August. Erste Online-Gebote liegen schon bei mehr als 60 000 Euro.

Mahatma Gandhi

Mahatma Gandhi, vermutlich im Jahr 1938. Der Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung besaß nicht nur eine Brille, sondern mehrere Ersatz-Exemplare.

(Foto: Scherl/Süddeutsche Zeitung Photo)

Gandhis Nickelbrillen sind begehrt. Vor allem bei denen, die sie sich leisten können. Bei jenen also, die einen völlig anderen Lebensstil pflegen als einst der bescheidene Charismatiker. Der Unternehmer Vijay Mallya zum Beispiel, der in seiner Heimat Indien "König des Vergnügens" genannt wird, legte im Jahr 2009 bei einer New Yorker Auktion für Gandhis Brille, Sandalen, Taschenuhr, Teller und Schüssel gleich mal 1,8 Millionen Dollar hin. Die indische Regierung hätte die Auktion am liebsten untersagt - aus Respekt vor ihrem Nationalheiligen. Doch der Verkauf ging trotzdem über die Bühne. Das Artefakt landete in einer Vitrine, aus der es allerdings bald wieder verschwunden sein soll. Auf wessen Nase es mittlerweile gelandet ist?

John Lennon, Harry Potter, Rainer Langhans - alles nur Nachmacher

Eine weitere Brille kam 2012 unter den Hammer. Diese, so wird behauptet, soll sich Gandhi 1890 als Jura-Student in London gekauft haben. Sie erzielte 34 000 Pfund.

Mit dem vielen Geld, das heute solche Souvenirs einbringen, hätte Gandhi viel Gutes machen können, bevor er 1948 durch die Kugel eines Fanatikers starb. Ach, hätte er sie sich doch nur früh genug als persönliches Markenzeichen schützen lassen und von John Lennon, Harry Potter, Rainer Langhans und all den anderen armseligen Imitatoren ordentlich Lizenzgebühren verlangt.

© SZ/vwu

SZ Plus
Israel
:Wo allen alles gehört

Die israelische Kibbuz-Bewegung wurde als gelebte sozialistische Utopie in der ganzen Welt bekannt. Heute hat sich dort vieles verändert. Ein Besuch bei Landwirten, Öko-Pionieren und Kapitalisten.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite