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Papstsekretär Gänswein:Der "Affront" des neuen Papstes gegen den alten

Georg Gänswein und Papst Benedikt XVI.

Papst-Vertrauter Gänswein, hier während der wöchentlichen Audienz von Papst Benedikt XVI. vor drei Jahren

(Foto: dpa)

Klare Worte: Papstsekretär Gänswein leidet bis heute unter dem Rücktritt von Benedikt XVI. - und hatte am Anfang auch seine Probleme mit dem eher unkonventionellen Auftreten von Papst Franziskus. In einem Interview äußert sich der Benedikt-Vertraute überraschend deutlich.

Der unkonventionelle Stil von Papst Franziskus hat Papstsekretär Georg Gänswein anfangs verärgert. Er habe es als "Affront" des neuen Papstes gegen seinen Vorgänger Benedikt XVI. empfunden, dass Franziskus sich geweigert habe, die päpstlichen Gemächer im Apostolischen Palast zu beziehen, sagte der Erzbischof und Benedikt-Vertraute der Wochenzeitung Die Zeit.

Der bis heute im Gästehaus des Vatikans lebende Franziskus habe ihm dann aber erklärt, er werde in der Papstwohnung trübsinnig und wolle "unter Leuten" leben. Inzwischen könnten Franziskus und er über die Kontroverse scherzen. Mit dem Reformeifer von Franziskus scheint Gänswein gewisse Probleme zu haben. "Ich warte jeden Tag von Neuem, was heute anders sein wird", sagte er lakonisch.

Dass er bis heute sowohl für Benedikt als auch für dessen Nachfolger Franziskus arbeitet, begründete Gänswein damit, dass er dem damaligen Joseph Ratzinger Treue "in vita et in morte", in Leben und Tod, gelobt habe. Dessen Rücktritt im Februar habe er wie "eine Amputation" erlebt. Unter dem Wechsel leide er bis heute. "Ich muss da ehrlich sein mit mir selbst," sagte er im Interview. "Das ist ein Schmerz, das Sichabfinden mit der neuen Rolle." Er habe den Eindruck, in zwei Welten zu leben.

Seine Zeit als engster Mitarbeiter Benedikts beschreibt er als sehr intensiv: "Ich habe acht Jahre Blut gelassen und auch Blut geleckt, manchmal." Sein Leben seitdem sei "nicht mehr ständig am Herzpuls" des Vatikans, sagte Gänswein. Bis heute spreche er den zurückgetretenen Papst als "Heiliger Vater" an. Trotzdem gelte auch für ihn: "Es gibt nur einen Papst."