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Fußball-WM-Orakel:Paul, der Krake, ist tot

Er war der Shootingstar der Fußball-WM in Südafrika: Krake Paul. Nun ist das achtarmige Orakel, das mit seinen Voraussagen weltweit Millionen Menschen in den Bann zog, friedlich in seinem Aquarium in Oberhausen eingeschlummert.

Er war ein Weltstar, der sich selten bewegte - aber wenn, dann richtig. Er trug einen Vornamen, der an andere Größen des Entertainments erinnerte, zum Beispiel an Paul Anka oder an Paul Kuhn. Und er schaffte es, ganze Nationen zu faszinieren.

Oktopus-Orakel Paul gestorben

Paul in Aktion, hier beim Tippen des Spiels Deutschland gegen Uruguay um den dritten Platz, das Deutschland schließlich wie vorhergesehen gewann.

(Foto: dapd)

That's show business.

So war Paul, der Krake, geboren am 26. Januar 2008 in den Gewässern vor dem südenglischen Weymouth. Ein Tier mit geradezu seherischen Fähigkeiten, die er wähend der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ausspielte. Zur Freude des Sea Life Oberhausen manövrierte sich Paul in Plexiglaskästen, die auf ein bestimmtes Resultat einzelner Spiele deuteten.

Der schwimmende Fußball-Kenner verzückte die Fußballwelt mit seinen Spielvorhersagen. Krake Paul lag immer richtig. Welcher Konjunkturforscher, welcher Polit-Demoskop kann das schon von seiner Arbeit sagen? Selbst in diesen Kreisen sprach sich die Oberhausener Kunst herum. Paul war Vorbild geworden. Bei der Euro 2008 hatte er noch manchmal falsch gelegen.

Das Wunder aus dem Ruhrgebiet sagte nicht nur den Ausgang der sieben deutschen Spiele voraus, sondern auch das Finale zwischen Spanien und den Niederlanden. Das machte ihn stolz wie einen Spanier, und alle rissen sich um das Tier.

Es war ja auch verblüffend zu erleben, wie Paul aus zwei gleichen Plastikbehältern mit Nationalflagge eine Muschel fischen und so den Sieger der Partie vorhersagen konnte. Nach der WM ging das Tier aufs Altenteil, es wurde gewissermaßen pernsioniert - obwohl aus aller Welt Anfragen mit Vorhersagewünschen kamen.

In der Ukraine wollte einer ein Buch über Paul schreiben, das japanische Fernsehen wollte ihn porträtieren und auch die chinesischen Tier- und Fußballfreunde wollten ihn in einem Film verewigen. Die Washington Post bescheinigte ihm die Kraft eines Hellsehers. Nur die Argentinier waren nach dem verlorenen Viertelfinalspiel gegen Deutschland böse und diskutierten Kochrezepte, um Paulchen zu Paella zu verarbeiten. Und für Irans Präsident Ahmadinedschad war Paul nur ein "Symbol von Dekadenz und Verfall" des Westens.

Kaum einer wusste, dass der Name des Helden einem Gedicht von Boy Lornsen entlehnt war namens Der Tintenfisch Paul Oktopus. Dass es mit ihm zu Ende gehen könnte, ahnte Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero rechtzeitig und erklärte, er mache sich sorgen um den Kraken aus Deutschland. In seinem Kabinett wurde diskutiert, das Tier rechtzeitig auf die Iberische Halbinsel zu holen, damit ihn die Deutschen nicht verzehren.

Am 13. Juli 2010 wurde Paul Ehrenbürger der spanischen Gemeinde Carballino.

In der Nacht zum Dienstag ist der weltberühmte Paul in seinem Aquarium eines natürlichen Todes gestorben. Die Überreste wurden ins Kühlhaus gebracht und werden in den kommenden Tagen eingeäschert. Die Urne soll dann den Besuchern in Oberhausen gezeigt werden. Ein junger Oktopus soll dann Pauls Rolle übernehmen und auch so heißen.

Als ob es so einfach wäre im Leben.

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