Süddeutsche Zeitung

Fußball:Späte Anklage wegen Katastrophe von Hillsborough

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Mehr als 28 Jahre nach der Hillsborough-Katastrophe erhebt die britische Staatsanwaltschaft Anklage gegen sechs Personen. Unter den Beschuldigten ist der damalige Einsatzleiter, dem grobe Fahrlässigkeit mit Todesfolge vorgeworfen wird, wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch bekannt gab. Ebenfalls angeklagt ist der ehemalige Polizeichef in der Region South Yorkshire, der in seinen Aussagen über das Unglück gelogen haben soll, sowie zwei weitere Polizeibeamte, denen Verletzung der Dienstpflichten und Behinderung der Justiz vorgeworfen wird. Bei den beiden anderen Personen handelt es sich um einen Juristen und um den Ex-Geschäftsführer des Fußballvereins Sheffield Wednesday.

Bei einem Pokalspiel zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest waren am 15. April 1989 96 Menschen ums Leben gekommen. Die Menschen waren bei einer Panik im Gästeblock des Stadions von Sheffield zu Tode gequetscht worden. Die Polizei hatte damals ein Tor geöffnet, durch das etwa 2000 Fans auf die ohnehin bereits überfüllte Liverpool-Tribüne strömten.

Direkt nach der Katastrophe hieß es von der Polizei, "alkoholisierte Fans" seien Schuld an dem Unglück gewesen. Dass es für das Stadion kein gültiges Sicherheitszertifikat gab, dass Beamte Flüchtende in den überfüllten Block zurückdrängten und dass sie den Einsatz von Sanitätern verhinderten - all das wurde zunächst totgeschwiegen. Im September 2012 stellten Experten schließlich fest, dass 41 der 96 Toten hätten gerettet werden können.

Schon vor einem Jahr kam eine unabhängige Untersuchungskommission zu dem Ergebnis, dass eine polizeiliche Fehleinschätzung und nicht das Fehlverhalten der Zuschauer die Katastrophe im Hillsborough-Stadion ausgelöst hat. Die Jury der Untersuchungskommission teilte mit, die Fußball-Fans seien ohne eigenes Verschulden getötet worden.

Die Katastrophe von Hillsborough führte dazu, dass im englischen Fußball die Stehplätze in den Stadien abgeschafft wurden.

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