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Einsatzpapier:Polizei plant offenbar mit 1000 Beamten für Fusion-Festival

Streit um Sicherheitskonzept für Fusion Festival

Das Gelände der Fusion aus der Luft. Vom 26. bis 30. Juni soll hier das Festival stattfinden. Ob es so kommt, ist ungewiss.

(Foto: Bernd Wüstneck/dpa)
  • Bereits seit einiger Zeit schwelt der Streit zwischen Veranstalter und Behörden darüber, ob das Fusion-Festival zum ersten Mal von Polizisten bewacht werden soll.
  • Nun zeigt ein Papier, dass die Polizei einen deutlich größeren Einsatz plant als bisher bekannt.

70 000 Menschen, Musik, Theater, Kino, Party und: keine Polizei. So war das zumindest bisher auf dem Fusionfestival, das auf einem ehemaligen sowjetischen Militärflughafen an der Mecklenburgischen Seenplatte stattfindet.

Nun ist ein Einsatzpapier der Polizei aufgetaucht. Es nährt die Befürchtungen des Veranstalters und vieler Besucher, dass die Polizei dem polizeilosen Festivaltreiben in seiner jetzigen Form etwas entgegensetzen möchte. Dem internen Schreiben zufolge, das Zeit Online vorliegt, plant die Polizei offenbar Einsätze auch in großem Maßstab. Demnach sollen zeitgleich etwa 100 Beamte, uniformiert und in zivil, auf das Gelände geschickt werden - rund um die Uhr im Schichtsystem. 1000 Polizisten sollen insgesamt rund um die Fusion im Einsatz sein. In unmittelbarer Festivalnähe soll zudem eine Beweis- und Festnahmeeinheit der Bereitschaftspolizei positioniert werden.

Eine Polizeisprecherin bestätigte der SZ die Echtheit des Einsatzpapiers. Allerdings handele es sich bloß um ein Konzept, so die Sprecherin. Dies bedeute nicht, dass dieses tatsächlich zum Tragen komme. Vor solchen Veranstaltung würden unterschiedliche Konzepte erstellt und je nach Lage kämen unterschiedliche Varianten zum Einsatz.

Martin Eulenhaupt, Vorstand des Veranstalters Kulturkosmos Müritz e.V., zeigt sich erschrocken: "Die Polizei plant, wie sich jetzt bestätigt, ein unverantwortliches Eskalationsszenario gegen unser Kulturfestival", teilte er mit. Mit solch eskalativen Einsatzplanungen sei niemandem in Sachen Sicherheit geholfen. Er forderte die Landesregierung auf, diesem "unverhältnissmäßigen Vorhaben" ein Ende zu setzen.

Überarbeitetes Sicherheitskonzept

Bereits seit einiger Zeit schwelt der Streit zwischen Veranstalter und Behörden darüber, ob das Festival zum ersten Mal seit 22 Jahren von Polizisten bewacht werden soll. Ja, findet der Polizeipräsident, die Präsenz der Beamten sei dringend nötig. So war etwa eine Polizeiwache direkt auf dem Festivalgelände angedacht. Anders gehe es nicht, so die Gesetzeshüter. Nein, sagt der Veranstalter Kulturkosmos. Mehr als 131 000 Menschen hatten seit April bei einer Online-Petition gegen eine ständige Polizeipräsenz auf dem Fusion-Terrain votiert.

In der vergangenen Woche hat der Veranstalter bei der zuständigen Gemeinde Röbel-Müritz ein überarbeitetes Sicherheitskonzept vorgelegt. Zuvor waren zu wenige Rettungswege kritisiert worden. Außerdem fehlte eine Gefährdungsanalyse. Auch bei Fragen der Zusammenarbeit zwischen Veranstalter und Polizei sei nachgebessert worden, heißt es vom Kulturkosmos. "Unser aktuelles Sicherheitskonzept mit dem Kompromissvorschlag einer Wache in unmittelbarer Nähe zum Festival und konkreten Vorschlägen für einen anlassbezogenen Zugang liegt auf dem Tisch", teilte Eulenhaupt mit. Die Gemeinde will laut Informationen von Zeit Online gegen Ende der laufenden Woche seine Entscheidung mitteilen, ob das neue Sicherheitskonzept ausreichend sei.

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