Süddeutsche Zeitung

Österreich:500 Euro Strafe für Furz vor Polizeibeamten

Ein 22-jähriger Student aus Wien muss eine hohe Geldstrafe zahlen, weil er mit einem "lauten Darmwind" den "öffentlichen Anstand" verletzt habe.

Von Marija Barišić

Nicht viele Polizeimeldungen aus Österreich schaffen es bis über die Grenze seines großen Bruders Deutschland. Wenn es einmal gelingt, so kann man sich sicher sein: Jetzt wird's entweder peinlich. Oder lustig. Oder, wie im folgenden Fall beschrieben, beides: 500 Euro Strafe muss ein 22-jähriger Wiener zahlen, weil dieser, so steht es in der Strafverfügung, "vor Polizeibeamten laut einen Darmwind habe entweichen lassen". Damit habe der Wiener den "öffentlichen Anstand verletzt".

Die Strafverfügung ist am Dienstag auf der Social-News-Plattform Reddit hochgeladen worden, der Vorfall ereignete sich allerdings bereits in der Nacht zum 5. Juni. Direkt unter der veröffentlichten Strafverfügung, die mittlerweile Dutzende Male auf Twitter geteilt wurde, meldete sich nun auch die Wiener Polizei zu Wort: "Natürlich wird niemand angezeigt, wenn einmal versehentlich 'einer rauskommt'." Der Angezeigte habe sich jedoch während der gesamten Amtshandlung bereits "provokant und unkooperativ" verhalten, heißt es weiter. "Er erhob sich leicht von der Parkbank, blickte die Beamten an und ließ offenbar in voller Absicht einen massiven Darmwind in unmittelbarer Nähe der Beamten ab." "Und", so lautet der abschließende Satz der Polizei, "anfurzen lassen sich die Kollegen dann doch eher ungern".

Die Landespolizeidirektion in Wien bestätigt den Vorfall. So seien in der Nacht zum 5. Juni zwei Polizeibeamten auf den 22-Jährigen zugegangen, um seine Identität zu überprüfen. Einer der Polizeibeamten habe im Nachgang berichtet, "dass die angezeigte Person die Amtshandlung immer wieder gestört und ins Lächerliche gezogen hat", heißt es von einem Sprecher der Landespolizeidirektion. Als das Verhalten des 22-Jährigen im "beschriebenen Vorfall kulminierte, hat unser Kollege beschlossen, sich das nicht mehr länger gefallen zu lassen und die letzte Aktion zur Anzeige zu bringen".

Gegenüber dem Internetportal oe24 kündigte der Beschuldigte nun an, gegen die Anzeige der Polizei vorgehen zu wollen, "da ich im Jahre 2020 nicht der Meinung war, dass es ein solches Problem sein könnte 'einen Schas zu lassen'", so der 22-Jährige auf gut Österreichisch für "furzen". Außerdem habe er sich "weder provokant noch unkooperativ" verhalten, wie dies von der Polizei Wien auf Twitter beschrieben worden sei, "im Gegenteil war ich der Erste der kontrollierten Personen, die ihren Ausweis abgab", betont der beschuldigte Student. Ein zuvor gegessener Bohnensterz seiner Großmutter, ein Pfannengericht aus Bohnen, habe für die "biologische Reaktion" gesorgt.

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