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Fuchsjagd in Großbritannien:Dich wird der Jäger holen

Members of the Old Surrey Burstow and West Kent Hunt ride with hounds during the annual Boxing Day hunt in Chiddingstone, Britain

Mitglieder der "Old Surrey Burstow and West Kent Hunt"-Jagdgruppe mit Hetzhunden am Boxing Day in Chiddingstone.

(Foto: Simon Dawson/Reuters)
  • Der Anwalt Jolyon Maugham erschlägt am Weihnachtsfeiertag in seinem Garten offenbar einen Fuchs mit dem Baseballschläger und bringt Tierschützer in Rage.
  • Um das Töten von Füchsen tobt in Großbritannien seit vielen Jahren ein bitterer Kulturkampf.
  • Fuchsjagden, bei denen die Wildtiere getötet werden, sind seit 2004 in England und Wales, seit 2002 in Schottland verboten. Nur in Nordirland ist der Traditionssport der besseren Gesellschaft noch erlaubt. Aber das Gesetz erlaubt Ausnahmen.

Die Tweets waren sonderbar genug, und Jolyon Maugham, prominenter Anwalt und Brexit-Gegner, dürfte sich im Nachhinein wünschen, er hätte am zweiten Weihnachtsfeiertag auf Publicity in eigener Sache verzichtet.

Kurz nach dem Aufstehen entdeckte er gegen acht Uhr morgens offenbar einen Fuchs, der sich in seinem Garten in einem Drahtzaun verfangen hatte. Maugham twitterte, er habe das Tier mit einem Baseballschläger erlegt, und fügte dann in sarkastischem Ton hinzu: "Und wie läuft euer Tag so?" Als sei das nicht genug, schickte der Jurist wenig später einen zweiten Tweet los, in dem er mitteilte, er habe während der Tötungsaktion übrigens den viel zu kleinen, grünen Satin-Kimono seiner Frau angehabt.

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Empörte Tierschützer

Nun könnte man finden, die Mitteilungen seien vor allem Belege für den schwarzen Humor, der den Briten bekanntlich nachgesagt wird. Vielleicht war Jolyon Maugham, Mitbegründer des Good Law Projects, das in den Kampf gegen den Brexit involviert war, ja auch noch betrunken vom Dinner am Vorabend.

So oder so ergoss sich ein Shitstorm über den Mann, der dazu führte, dass der Fuchs, der Baseballschläger und der Anwalt sich am Freitag auf den Titelseiten mehrerer britischer Zeitungen wiederfanden, und dass nicht nur empörte Tierschützer ihn anzeigten, sondern sogar er selbst sich danach bei der RSPCA, der Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals, meldete. Die Tierschutzorganisation untersucht die Sache nun wegen des Vorwurfs der Tierquälerei.

Zudem sah sich Maugham genötigt, in eigener Sache weitere Informationen nachzuschieben: Seine Hühner seien in Panik gewesen, er habe nicht gewusst, was er tun solle, der Fuchs habe sich nicht selbst befreien können, und er habe dem Drama ein schnelles Ende bereiten wollen. Das britische Gesetz schreibt vor, Füchse, die in eine Falle geraten, auf "humane Weise" zu töten.

Die Sache ist pikant. Denn um das Töten von Füchsen tobt in Großbritannien seit vielen Jahren ein bitterer Kulturkampf.

Dass Maugham ein wildes Tier, das vermutlich seine Hühner fressen wollte, just am Boxing Day, wie der zweite Weihnachtsfeiertag im Königreich genannt wird, mit einem Baseballschläger erschlagen hat, war da nur ein weiterer Aufreger in einem an Aufregungen überreichen Tag. Denn am Boxing Day finden im ganzen Land traditionell Fuchsjagden statt, und wie jedes Jahr standen auch an diesem Donnerstag in vielen ländlichen Gemeinden wütende Demonstranten gegen das umstrittene Fox Hunting an den Straßenrändern Spalier, während Jäger und Jägerinnen, umgeben von Hundemeuten, auf ihren Pferden ins Gelände aufbrachen.

Drei Viertel aller Briten sind für ein Verbot

Fuchsjagden, bei denen die Wildtiere getötet werden, sind seit 2004 in England und Wales, seit 2002 in Schottland verboten. Nur in Nordirland ist der Traditionssport der besseren Gesellschaft noch erlaubt.

Aber das Gesetz erlaubt Ausnahmen, etwa das Drag Hunting, bei dem die Hunde einer künstlich gelegten Spur folgen, sowie die Tötung der Füchse durch abgerichtete Greifvögel. Aktivisten beschweren sich seit Jahren darüber, dass die Lücken im Gesetz zu groß seien und Füchse oder andere Wildtiere, die in Panik aus dem Dickicht herausbrächen, weiterhin von Hunden verfolgt und dann erlegt würden, weil die Jagdgesellschaften davon ausgingen, ohne Strafe davonzukommen.

Umfragen zufolge finden drei Viertel aller Briten, Fuchsjagden müssten verboten bleiben. Allerdings haben die Tories immer wieder diskutiert, das Jagdverbot unter dem Druck einer Lobby aus Adel, Großgrundbesitzern und Jagdsportvereinen zu lockern.

Zuletzt hatte Ex-Premierministerin Theresa May in ihrem Wahlprogramm 2017 angedeutet, das Verbot von 2004 kippen zu wollen, wenn eine konservative Mehrheit im Unterhaus dies erlauben würde. Sie selbst sei eine Anhängerin der Jagd. Das schlechte Wahlergebnis machte einen Vorstoß unmöglich, aber die Debatte über entweder die Verschärfung oder aber die Lockerung des Fuchsjagdverbots ist nie verstummt. Allein in diesen Weihnachtsfeiertagen meldete die Countryside Alliance, eine Lobbyorganisation für "Feldsportarten wie Jagen, Fischen und Schießen", die Veranstaltung von mehr als 200 Jagden landesweit.

An einer Fuchsjagd in Kent nahm am Donnerstag auch der Begründer der Brexit-Partei und britische Rechtspopulist Nigel Farage teil. Von Demonstranten damit konfrontiert, dass er Tierquälerei unterstütze, konterte Farage, es gehe nicht um das Töten von Tieren.

"Es ist ein Tag an der frischen Luft mit Pferden und Hunden. Wer könnte dagegen sein?" Außerdem würden auf britischen Straßen täglich Füchse durch Autos getötet. "Sollen wir damit auch aufhören?"

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