bedeckt München 20°

Frühere Störfälle bei Lufthansa und Germanwings:Technik als Fehlerquelle

Germanwings A320 abgestürzt - Stuttgart

Gedenktafel für die Opfer des Fluges 4U9525 am Flughafen Stuttgart.

(Foto: dpa)
  • Die Maschinen der Airbus-A320-Familie gelten als sichere Flugzeuge. Trotzdem treten immer wieder Zwischenfälle wegen technischer Probleme auf.
  • Erst im vergangenen November sorgten fehlerhaft arbeitende Sensoren bei einem Lufthansa-Flug für einen unkontrollierten Sinkflug.
  • Einer Statistik zufolge sind auch Dämpfe oder Gerüche im Cockpit ein wiederkehrendes Problem.

Das Rätselraten um die Ursache des Absturzes von Germanwings-Flug 4U9525 ist groß. In einer modernen Verkehrsmaschine wie denen aus der Airbus-A320-Familie ist die Technik sehr komplex, vieles wird von elektronischen Systemen geregelt.

Ein in dieser Woche bekanntgewordenes Ereignis aus dem vergangenen November zeigt, dass in dieser Technik Fehlerquellen liegen. Damals war ein Airbus A321, ein der Unglücksmaschine eng verwandtes Modell, in einen ungeplanten Sinkflug gegangen. Laut einem Zwischenbericht, den die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BfU) am Dienstag trotz anfänglicher Bedenken doch veröffentlicht hat, dauerte dieser Sinkflug nur eine, nicht wie zunächst berichtet mehrere Minuten. Die Piloten mussten dann aber fast eine Stunde ständig an ihren Steuerknüppeln ziehen, also das Signal für Steigflug geben, um ihre Maschine in der Waagerechten zu halten.

Laut einer späteren Analyse des Flugzeugherstellers Airbus, die die BfU wiedergibt, waren beim Steigflug nach dem Start zwei von drei Sensoren eingefroren, die den Winkel des Flugzeugs zum Boden messen. Das Computersystem des A321 ist aber so programmiert, dass es bei auffälligen Abweichungen zwischen den Messwerten der Sensoren einen von ihnen ignoriert, wenn sich die anderen einig sind. Die Elektronik schaltete nun das eine funktionierende Messgerät ab und verließ sich auf die beiden eingefrorenen. Und da der von ihnen angezeigte Winkel größer war als der Stabilität des Flugzeugs dienlich, befahl der Computer kontinuierlich, die Nase der Maschine zu senken.

Schwierige Fehlerbehebung

Die Piloten mussten gegenhalten, sie versuchten vergeblich, mit Neustarts der Steuercomputer den Fehler zu beheben. Erst intensive Kommunikation mit Technikspezialisten am Boden brachte den Vorschlag, den Kontroller eines der beiden vereisten Sensoren abzuschalten. Jetzt flog das Flugzeug ohne ständige Korrektur wieder geradeaus, auch der zuvor funktionsunfähige Autopilot ließ sich nun wieder einschalten.

Airbus hat danach, Anfang Dezember 2014, einen Hinweis an alle Betreiber von Flugzeugen der A320-Familie herausgegeben und das Problem beschrieben. Es sei möglich, dass die Computer der Maschinen wegen vereister Sensoren einen Sinkflug auslösten, der sich durch Kommandos am Steuerstick nicht mehr abfangen lasse. In dem Fall müssten die Piloten sofort zwei der drei Sensoren abschalten. Das Flugzeug wechselt dann vom normalen Steuermodus, in dem die Computer überwachen, wie es geflogen werden kann, in einen Ausweichmodus. Die Cockpitbesatzung kann sich dann über die Impulse der Elektronik hinweg setzen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite