Friedhöfe Ruhestätten mit Ausblick zu verlosen

Grabverlosung in Berchtesgaden. Die Ziehung der fand öffentlich statt.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)
  • Auf dem alten Friedhof in Berchtesgaden sind insgesamt 200 Grabstellen freigeworden. Eigentlich wurden hier seit 1972 keine Gräber mehr genehmigt.
  • Da sich aber fast 300 Interessenten gemeldet haben, hat sich die Gemeinde für einen eher unüblichen Weg entschieden. Eine Grabplatz-Verlosung.
  • Normalerweise entscheiden Wartelistenplatz, Wohnort, Geld oder Beziehungen darüber, wo man sich zur letzten Ruhe betten lassen darf.
Von Martin Zips

"Ein heiteres Ende" wünschte der bayerische König Maximilian I. in seiner Grab-inschrift dem Hausierer Anton Adner. Adners Ruhestätte findet sich noch heute auf dem Alten Friedhof in Berchtesgaden, gleich neben dem Eingang. Der Mann soll ja bereits 114 Jahre alt gewesen sein, als er einmal vom König nach München eingeladen wurde. Unter anderem, um den Turm der Frauenkirche zu besteigen. Der König kümmerte sich reizend um ihn, bis Adner 1822 im Alter von angeblich 117 Jahren auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde die letzte Ruhe fand. In einem königlichen Ehrengrab. Die Berchtesgadener Luft, sie scheint Adner ausgesprochen gutgetan zu haben.

Zwei Friedhöfe gibt es in Berchtesgaden. Den Bergfriedhof, nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Er wurde in den Sechzigerjahren angelegt, gleich gegenüber vom Hohen Göll. Und den seit 1685 existierenden Alten Friedhof im Dorfzentrum, wo nicht nur der Adner liegt, sondern auch Nazi-Ideologe Dietrich Eckart, der ebenso wie Hitler die Berchtesgadener Luft sehr schätzte, wenn auch nicht unbedingt verbesserte. Aus Platzmangel waren am Alten Friedhof seit 1972 keine neuen Gräber mehr genehmigt worden. Doch nun, durch das geschickte Umpflanzen einiger Zwerggehölze und das Einebnen alter Ruhestätten, sind hier gleich 140 Erd- und 60 Urnengräber frei geworden. Am Mittwoch nun wurden unter 280 interessierten Berchtesgadenern im örtlichen Kongresszentrum die Liegeplätze ausgelost.

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Dass einige Orte für die Ewigkeit besonders beliebt sind, ist unbestritten. Zum Beispiel, was die Lage betrifft: Vom Cementiri de Montjuïc aus zum Beispiel kann man ganz herrlich über Barcelona blicken, vom Friedhof in Morcote über den Luganer See nach Italien. Auch eine möglichst prominente Nachbarschaft gilt vielen als posthumes Paradies: Am Wiener Zentralfriedhof etwa hat der Entschlafene die Auswahl zwischen Ludwig van Beethoven, Udo Jürgens und Hans Moser. Im kalifornischen Glendale wiederum ist man Walt Disney und Michael Jackson ganz nah. Und in München, am Bogenhauser Friedhof, teilt sich der Verblichene die Erde mit Liesl Karlstadt, Helmut Dietl, Erich Kästner und Walter Sedlmayr.

Verlosungen wie in Berchtesgaden allerdings, da ist man sich beim Bundesverband Deutscher Bestatter sicher, entscheiden höchst selten über die jenseitige Nachbarschaft. Eine größere Rolle spielen diesseitige Wartelisten, Wohnorte, Beziehungen - und Geld. Spielen Lage sowie Nähe zu Prominenten keine Rolle, findet sich fast immer genug Platz auf deutschen Friedhöfen. Der Trend zu kleinen Urnengräbern und Friedwäldern (fast zwei Drittel der Deutschen wollen sich angeblich einäschern lassen) bedroht kommunale Kassen und schafft immer neue Räume für Kriechwacholder und Zwergmispel.

In Berchtesgaden ging die Sache so aus: Diejenigen, deren Los früh gezogen wurde, durften sich ihren Lieblingsplatz selbst aussuchen. Das Ehepaar S. etwa entschied sich für ein Doppelgrab unter Bäumen. Ganz in der Nähe des Lieblingsonkels. Für etwa 700 Euro Gebühr ist ihnen dieser Platz unweit auch von Anton Adner zehn Jahre lang garantiert. Dass sie deshalb in Eile verfallen, möchte man ihnen aber nicht wünschen.

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