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Freiburg:Alkohol, Drogen, Gewalt

Prozess Gruppenvergewaltigung in Freiburg

Einer von elf Angeklagten schützt sich vor Blicken im Landgericht.

(Foto: Patrick Seeger/dpa)

Elf Männer sind angeklagt, in Freiburg eine damals 18 Jahre alte Frau neben einer Disco vergewaltigt zu haben. Zehn von ihnen sind Migranten, einer ein Deutscher. Ihre Biografien haben einiges gemeinsam.

Ahmed H. trägt seine schwarzen, gewellten Haare kurz und akkurat gescheitelt. Für die Prozesstage am Landgericht Freiburg zieht er stets ein blaues Hemd an, anders als viele Mitangeklagte verhüllt er sein Gesicht nicht vor den Kameras, seine Züge sind weich. Trüge er die Handschellen und Fußfesseln nicht, man könnte sich den 21-Jährigen gut als Bank-Azubi vorstellen. In einer Nacht im vergangenen Oktober soll er zusammen mit den zehn anderen angeklagten jungen Männern eine 18-jährige Frau vergewaltigt haben, einer nach dem anderen. Laut Staatsanwaltschaft ist die Frau wehrlos im Drogenrausch in einem Gebüsch neben einer Disco in Freiburg gelegen, nachdem ihr einer der Täter die Drogen verabreicht haben soll.

Die genauen Umstände muss das Gericht noch prüfen, von 27 angesetzten Prozesstagen fanden bislang sieben statt. Am Mittwoch hat die 18-Jährige ausgesagt, zum Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die junge Frau habe im Wesentlichen die Vorwürfe der Anklage gegen die Männer bestätigt, sagte Staatsanwalt Thorsten Krapp. Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Fall, weil zehn der elf Angeklagten Flüchtlinge sind, acht Syrer, ein Iraker, ein Algerier. In Freiburg demonstrierte die AfD, viele andere Bürger stellten sich ihr entgegen. Die Rechtspopulisten sahen sich in ihrem Weltbild bestätigt, dass die zahlreichen männlichen Zuwanderer ein Sicherheitsproblem darstellen. Eine Hypothese: Aus ihren muslimischen Herkunftsstaaten bringen sie wenig Respekt vor Frauen mit.

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Tatjana Hörnle, Rechtsprofessorin an der Humboldt-Universität Berlin, hat die Kriminalstatistik von 2016 und 2017 analysiert. Zentrales Ergebnis: Die Zahl der Taten böte keinen Anlass für Dramatisierungen, "Sexualdelikte durch Zuwanderer sind kein Massenphänomen". Allerdings lagen die Fallzahlen prozentual höher als in vergleichbaren deutschen Gruppen. Zu ähnlichen Resultaten kam der Soziologe Dirk Baier, Leiter des Instituts für Kriminalprävention und Delinquenz an der Hochschule Zürich, der gemeinsam mit den Kriminologen Christian Pfeiffer und Sören Kliem die Gewaltdelikte in Niedersachsen exemplarisch prüfte.

Es geht nicht um das Frauenbild - sondern um die Männlichkeitsvorstellungen

Ein Grund für den vergleichsweise hohen Anteil von Migranten, die sexuell motivierte Straftaten begehen, sei, dass bei einigen Migranten eine andere Vorstellung von Männlichkeit herrsche, die es eher erlaube, eigene Interessen mit physischer Gewalt durchzusetzen. Baier und Kollegen nennen weitere Aspekte: Migranten, die sexuell übergriffig würden, würden vor allem von Geschädigten deutscher Herkunft viel häufiger angezeigt als Einheimische. Bei Migranten, die alleine ins Land kämen, fehle die Familie als soziale Stütze, zudem lägen oft psychische Probleme vor. Dazu sei die Unterbringung in den engen Gemeinschaftsunterkünften bei fehlender Strukturiertheit des Tages schwierig. In der Fachsprache heißt das "kriminalitätsbegünstigende Lebensumstände".

Trifft das auf die Angeklagten zu? Durchaus - wenn die Geschichten stimmen, die sie im Gericht erzählen. Zum Beispiel Ahmed H.: Im Norden Syriens geboren, Schule abgebrochen, mit einfachen Tätigkeiten Geld verdient. Dann kam der Bürgerkrieg, 2015 schickten ihn seine Eltern nach Europa, bis zu 5000 Euro habe die Reise über die Türkei, Griechenland und den Balkan gekostet. In Deutschland zog er zunächst zu einem Onkel, doch der kümmerte sich nicht.

Fortsetzung Prozess Gruppenvergewaltigung in Freiburg

Richter und Schöffen stehen vor den Angeklagten (rechts im Bild).

(Foto: Patrick Seeger/dpa)