Frauenrechte Nepal stellt Verbannung von Frauen während Menstruation unter Strafe

Frauen baden in einem Fluss in Nepal, um sich von ihrer Periode reinzuwaschen. In Nepal gilt eine menstruierende Frau in vielen Regionen als unrein.

(Foto: AP)

Im Hinduismus gilt eine Frau als unrein, wenn sie ihre Tage hat. In den ländlichen Gebieten Nepals ist es Brauch, sie währenddessen aus dem Haus zu verweisen - in den Kuhstall.

Als Pragya Lamsal zum ersten Mal ihre Tage bekam, sperrte ihre Mutter sie in einen dunklen Raum und sagte zu ihr: "Du bist unberührbar geworden." Sie verbot ihr, in die Küche zu gehen, sie sollte sich von den anderen Familienmitgliedern fernhalten, musste eine Woche allein in dem Zimmer verbringen. So schilderte sie es dem britischen Guardian. In Nepal gelten menstruierende Frauen in vielen Regionen als unrein. Was Lamsal in der Hauptstadt Kathmandu erlebt hat, ist in den ländlichen Gebieten im Westen des Landes noch extremer: Dort hält sich der Brauch, Frauen während ihrer Menstruation in Kuhställe zu verbannen. Nun hat das Parlament ein Gesetz verabschiedet, dass dies unter Strafe stellt.

Drei Monate Haft und eine Geldstrafe von 3000 Rupien (etwa 25 Euro) drohen demjenigen, der eine menstruierende Frau aus dem Haus zu den Tieren verweist, teilte der Abgeordnete Krishna Bhakta Pokharel mit. Das Gesetz werde allerdings erst nach einer Vorbereitungszeit von einem Jahr in Kraft treten, da es sich um eine tief verwurzelte Tradition in Teilen des Himalaya-Landes handele.

Das Verfassungsgericht hatte den Brauch schon vor Jahren verboten

Der Brauch heißt Chhaupadi und stammt aus dem Hinduismus. Übersetzt heißt er etwa so viel wie unberührbares Wesen. Ein Großteil der Bevölkerung in Nepal gehört dem Hinduismus an, entsprechend verbreitet ist der Brauch. Er besagt, dass es der Familie Tod und Zerstörung bringt, wenn eine Frau sich nicht an die Regeln hält - also Menschen, Obst oder Gemüse berührt. Deshalb dürfen sie während ihrer Menstruation nicht am Famillienleben teilnehmen. Viele Frauen müssen jeden Monat tagelang in Kuhställen oder an anderen, entfernt vom Haus liegenden Orten leben. Frühestens am fünften Tag ihrer Periode dürfen sie zurückkehren.

Einem Bericht der Vereinten Nationen zufolge ist es mehrmals vorgekommen, dass Frauen starben, während sie aus ihren Häusern verbannt waren - an Schlangenbissen, Unterkühlung oder starken Blutungen. Der Brauch war in Nepal bereits im Jahr 2005 nach einem Urteil des Verfassungsgerichts verboten worden. Im Westen des Landes wird er aber noch immer praktiziert. Die Gegenden dort sind kaum entwickelt, die Tradition hat einen hohen Stellwert für die Menschen.

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