Süddeutsche Zeitung

Französische Kleinstadt Albi:Mutter ersticht Lehrerin vor Grundschülern

Die Bluttat passierte am letzten Schultag vor den Ferien: Eine Mutter hat in einer französischen Kleinstadt eine Lehrerin erstochen - vor den Augen der ganzen Klasse. Die Täterin litt vermutlich unter Verfolgungswahn.

  • Mutter ersticht Lehrerin vor Grundschülern in französischer Kleinstadt Albi
  • Täterin festgenommen
  • Untersuchung ergibt "schwere psychische Störungen"
  • Erziehungsminister Hamon reist nach Albi
  • Gewalt gegen Lehrer in Frankreich nimmt zu

Bluttat vor Schülern

Vor den Augen der Schüler hat eine Mutter in Frankreich deren Lehrerin erstochen. Die Mutter einer sechsjährigen Schülerin sei am Freitagmorgen in der staatliche Vor- und Grundschule der südwestfranzösischen Kleinstadt Albi "mit einem Messer gekommen und hat eine 34 Jahre alte Lehrerin vor den Kindern niedergestochen", sagte Staatsanwalt Claude Derens der Nachrichtenagentur AFP. Als er am Tatort eingetroffen sei, sei noch versucht worden, die Lehrerin zu reanimieren - vergeblich. "Sie hatte in ihrem Klassenzimmer einen Herzstillstand." Die Täterin wurde festgenommen, nachdem sie versucht hatte zu fliehen.

Die Gründe für die tödliche Messerattacke kurz nach Unterrichtsbeginn waren zunächst unklar. Nach Angaben des Staatsanwaltes machte sie "unzusammenhängende Aussagen", sodass eine psychiatrische Untersuchung angeordnet wurde. Das Ergebnis seien "schwere psychische Störungen in Form von Verfolgungswahn" gewesen. Die Mutter komme nun in ein psychiatrisches Krankenhaus.

Einer Elternvereinigung zufolge habe es kein "spezielles Problem" zwischen der Lehrerin und der Täterin gegeben. Die Schule hat insgesamt 284 Schüler im Alter zwischen drei und elf Jahren.

Präsident Hollande sichert Unterstützung zu

Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem "entsetzlichen Drama" und kündigte an, Helfer zur Betreuung der Kinder und des Personals nach Albi zu schicken. Der französische Erziehungsminister Benoît Hamon reiste umgehend in die Kleinstadt. In Frankreich ist am Samstag der letzte Unterrichtstag vor den Sommerferien, für viele Schüler endet der Unterricht aber schon am Freitag.

Gewalt gegen Lehrer in Frankreich nimmt zu

Eine Reihe von Studien berichten von einer Zunahme der Gewalt von Eltern gegen Lehrer in Frankreich. So wurde im Schuljahr 2012/2013 fast die Hälfte der Schuldirektoren von Vor- und Grundschulen von Eltern verbal oder physisch attackiert, wie aus einer im April in der Zeitung Le Parisien veröffentlichten Untersuchung hervorgeht. Laut einer anderen Studie aus dem Jahr 2012 gaben 35,8 Prozent der Lehrer an, dass sie beleidigt wurden, 17,1 Prozent berichteten von Drohungen, 14 Prozent von Belästigungen und 3,6 Prozent sogar von Schlägen.

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SZ.de/AFP/jst/leja
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