Frankreich Zwei Festnahmen nach Polizistenmord nahe Paris

  • Ein Angreifer sticht einen Polizisten vor dessen Haus nordwestlich von Paris nieder. Dann nimmt er dessen Partnerin und Sohn als Geiseln. Am Ende sind auch der Täter und die Frau des Polizisten tot.
  • Seinen Angriff soll der Täter live auf Facebook gestreamt haben.
  • Der Täter war der Polizei zufolge vorbestraft wegen Mitgliedschaft in einer Dschihad-Gruppe.
  • Die Polizei nahm zwei Personen aus seinem Umfeld fest.

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Polizisten in Frankreich sind zwei Personen festgenommen worden, die dem mutmaßlichen Attentäter nahestehen sollen. Das teilten die Behörden mit. Der mutmaßliche Täter, Larossi Abballa, soll nordwestlich von Paris einen Polizisten erstochen und dann dessen Frau, ebenfalls eine Polizistin, und deren dreijährigen Sohn als Geiseln genommen haben. Der Täter wurde bei einer Erstürmung des Hauses durch die Polizei getötet. Auch die Frau kam ums Leben. Der Dreijährige blieb unverletzt.

Seine Tat war nach den Worten von Staatspräsident François Hollande "unbestreitbar ein Terrorakt". Das Land sehe sich mit einer Terrorbedrohung von sehr großem Ausmaß konfrontiert, sagte Hollande. "Frankreich ist nicht das einzige Land, das betroffen ist, wie wir wieder in den Vereinigten Staaten gesehen haben, in Orlando."

Der Angreifer hatte am Montag einen Polizisten vor dessen Haus in Magnanville im Département Yvelines attackiert und mit mehreren Messerstichen getötet. Anschließend verschanzte er sich in dem Haus und nahm die Frau und das Kind des Polizisten als Geiseln. Polizisten der Spezialeinheit Raid riegelten den Tatort ab und versuchten, mit dem Täter zu verhandeln. Bei der Stürmung des Gebäudes erschoss die Spezialeinheit den Täter.

Die Frau sei tot aufgefunden worden, teilte die Polizei mit. Laut einem Bericht der Zeitung Le Monde hatte sie eine Wunde am Hals. Der dreijährige Sohn des Paares, der sich ebenfalls in der Gewalt des Angreifers befand, konnte von Polizisten gerettet werden. Er sei "unter Schock, aber äußerlich unverletzt" gefunden und in Sicherheit gebracht worden.

Ein Foto des Angreifers Larossi Abballa von dessen Facebook-Account.

(Foto: AFP)

Mögliche Verbindung zum IS

Der Täter ist nach übereinstimmenden Medienberichten der Nachbar des getöteten Polizisten. Nach Angaben der französischen Polizei hatte sich der Geiselnehmer während seiner Verhandlungen mit der Polizei selbst zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. Zeugen berichteten, er habe "Allahu akbar" (arabisch für: Gott ist größer) gerufen. Zudem soll die dem IS nahestehende Nachrichtenagentur Amaq den Angreifer als Teil der Terrormiliz bezeichnet haben.

Offenbar war der Attentäter wegen Anschlagsplänen vorbestraft. Er sei im Jahr 2013 wegen der Mitgliedschaft in einer französisch-pakistanischen Dschihad-Gruppe verurteilt worden, heißt es aus Ermittlerkreisen. Er stand demnach mit sieben anderen Verdächtigen vor Gericht und erhielt eine dreijährige Haftstrafe. Zweieinhalb Jahre saß er im Gefängnis, sechs Monate waren zur Bewährung ausgesetzt. Le Monde berichtet, er sei beschuldigt worden, Kandidaten rekrutiert und indoktriniert zu haben und sich selbst darauf vorbereitet zu haben, im Grenzgebiet von Pakistan und Afghanistan in den Dschihad zu ziehen.

Live auf Facebook

Nach übereinstimmenden Medienberichten richtete Abballa auf Facebook eine Live-Videoübertragung von der Geiselnahme ein. In dem 13-minütigen Video rufe er zu weiteren Attentaten auf. Hinter ihm auf dem Sofa sei das dreijährige Kind des getöteten Paares zu erkennen. Über den Jungen sage Abballa: "Ich weiß noch nicht, was ich mit ihm mache."

Reaktionen

Präsident François Hollande hielt noch am Dienstagmorgen eine Krisensitzung ab. Das unterstreicht Beobachtern zufolge, wie ernst die Vorfälle genommen werden. Sollte sich herausstellen, dass der IS tatsächlich hinter den Angriffen steckt, wäre dies der erste derartige Vorfall seit den November-Attentaten von Paris, bei denen 130 Menschen ums Leben kamen.

Die Zeitung Le Parisien zitiert den Vorsitzenden des französischen Zentralrats der Muslime, Anouar Kbibech, mit den Worten, die Tat sei "abscheulich" und "erschreckend". Dieser "Akt des Terrorismus" habe nichts mit den Praktiken des Islam oder denen des heiligen Monats Ramadan zu tun.