Waldbrände in Spanien und FrankreichFlammen rücken näher an Bordeaux

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In der Nähe von Bordeaux sind Feuerwehrkräfte aus ganz Frankreich und der Schweiz im Einsatz.
In der Nähe von Bordeaux sind Feuerwehrkräfte aus ganz Frankreich und der Schweiz im Einsatz.
Emma Da Silva/AP Photo

In Frankreich breiten sich die Feuer aus. In Spanien beruhigt sich die Lage leicht, doch es gibt es einen ersten Todesfall. In beiden Ländern müssen Hunderttausende Menschen ihre Häuser verlassen.

Von Isabel Bernstein, Julia Daniel, Luzia Geier und Leonard Scharfenberg

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An Frankreichs Atlantikküste breiten sich die Brände im Großraum Bordeaux weiter aus. Das Feuer ist nach Angaben von Bürgermeister Thomas Cazenave inzwischen rund 15 Kilometer von der Metropole entfernt. Er sagte nach Angaben der Regionalzeitung L’Indépendant, die Einwohnerinnen und Einwohner von Bordeaux bereiteten sich derzeit nicht auf eine Evakuierung vor. Zugleich betonte er, die Stadt sei darauf vorbereitet, auf jede mögliche Entwicklung zu reagieren.

Insgesamt wurden im Südwesten des Landes mittlerweile mehr als 220 000 Menschen in Sicherheit gebracht.

Der Brand in der Umgebung von Bordeaux bleibt schwer kontrollierbar. In der Gironde, dem Verwaltungsbezirk rund um die Großstadt, ordnete die Präfektur in der Nacht die vorsorgliche Evakuierung mehrerer Gemeinden westlich und südwestlich von Bordeaux an. Davon betroffen sind 55 000 Menschen. Nach Angaben der Behörden vom Nachmittag wurden rund 240 Wohnhäuser zerstört. Der französische Innenminister Laurent Nuñez teilte am Sonntagvormittag auf der Plattform X mit: „In der Nacht bewegte sich das Feuer erratisch in Richtung Bordeaux.“ Mittlerweile sei eine Fläche von 42 000 Hektar betroffen. Das entspricht in etwa der Fläche von Köln. Nuñez warnte außerdem vor einem langwierigen Einsatz. „Das Feuer wird lange zu bekämpfen sein“, sagte er in einem Interview mit La Tribune Dimanche.

Dort wo das Feuer vorbeizieht, hinterlässt es Zerstörung. Wie hier in Le Porge, 40 Kilometer westlich von Bordeaux.
Dort wo das Feuer vorbeizieht, hinterlässt es Zerstörung. Wie hier in Le Porge, 40 Kilometer westlich von Bordeaux.
JULIEN DE ROSA/AFP
Auf Luftbildern ist das Ausmaß des Feuers entlang der französischen Atlantikküste zu erahnen.
Auf Luftbildern ist das Ausmaß des Feuers entlang der französischen Atlantikküste zu erahnen.
ROMAIN PERROCHEAU/AFP

Wegen der Waldbrände wurde auch die letzte Etappe der Tour de France deutlich verkürzt. Ein Teil der ursprünglich eingeteilten Sicherheitskräfte soll stattdessen die Einsatzkräfte in den Waldbrandgebieten verstärken.

Die Stadt Bordeaux sei noch nicht unmittelbar bedroht. Der beißende Rauchgeruch ist aber inzwischen bis in die Stadt vorgedrungen. Dichter Rauch hat Teile der Départements Gironde und Landes verdunkelt. Die Behörden warnen vor gesundheitsschädlichen Stoffen wie Feinstaub, Kohlenmonoxid und Schwermetallen. In betroffenen Orten steigt die Nachfrage nach Atemmasken. In die Region Gironde werden 1,5 Millionen FFP2-Masken geliefert, um die Einsatzkräfte und die Bevölkerung vor dem Rauch zu schützen. 42 Feuerwehrleute wurden wohl überwiegend leicht verletzt.

Auch der Verkehr war beeinträchtigt: Die Autobahn A 63 zwischen Bordeaux und Spanien wurde auf rund 60 Kilometern gesperrt, der Bahnverkehr südlich von Bordeaux bleibt bis auf Weiteres unterbrochen.

Die in Sicherheit gebrachten Menschen wurden unter anderem in den Parc des Expositions de Bordeaux gebracht.
Die in Sicherheit gebrachten Menschen wurden unter anderem in den Parc des Expositions de Bordeaux gebracht.
Alain Jocard/AFP/dpa

Am Samstagmorgen waren Urlauber und Bewohner von Cap Ferret aus auch mit Schiffen in Sicherheit gebracht und nach Arcachon gebracht worden. Von dort setzte die Bahn zum Weitertransport zusätzliche Züge nach Bordeaux ein. Um bei den Evakuierungen zu helfen, boten die Austernfischer der Region auch ihre Boote an. Die Landwirte unterstützten die Löscharbeiten mit 40 Tankwagen.

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Entstanden ist eines der Feuer südlich von Bordeaux im Bereich des Ortes Biscarrosse. Nachdem dort ein Lieferwagen auf einer Landstraße im Wald Feuer gefangen hatte, griffen die Flammen offenbar schnell auf die Natur über. Die Region hat einen trockenen Frühling und Frühsommer mit Temperaturrekorden hinter sich. Die durchschnittlichen Höchsttemperaturen lagen im Juli 7,3 Grad Celsius höher als der normale Höchstwert für diesen Monat zwischen 1961 und 1990.

Mehr als 2500 Feuerwehrleute, sowie 2700 Polizisten und Soldaten sind landesweit im Einsatz. Dazu kommen 18 Löschflugzeuge. Am Samstag wurde erstmals ein Militärflugzeug vom Typ A400M mit einem speziellen Löschsystem eingesetzt, das bis zu 20 Tonnen Löschmittel abwerfen kann.

Auch in Spanien hatte die Regierung am Samstag wegen Waldbränden den nationalen Notstand ausgerufen. In Spanien kam ein älterer Mann durch die Brände in der Region Valencia ums Leben. Der größte Brandherd im Land liegt aber weiterhin in der Nähe der Hauptstadt Madrid. Zwei separate Waldbrände in der Region hatten sich am Freitag zu einem riesigen Feuer vereinigt, mit einem weiteren Brand in Ávila in der benachbarten Region Kastilien und León sind sie bislang aber noch nicht verschmolzen. Eine höhere Luftfeuchtigkeit und niedrigere Temperaturen hatten in der Nacht auf Samstag geholfen, dass die Brände kaum vorgerückt sind. Auch am Sonntagmorgen haben die Brände der spanischen Regierung zufolge etwas nachgelassen. Vor allem in Madrid sowie in den angrenzenden Provinzen konnten die Einsatzkräfte bedeutende Fortschritte erzielen.

Inzwischen mussten sich knapp 120 000 Menschen in Spanien in Sicherheit bringen. Hinzu kommen laut dem Innenministerium knapp 30 000 Menschen, die wegen der Brände ihr Zuhause nicht verlassen können.

Auch in Spanien verursachen die Feuer massive Schäden, wie etwa an diesem Haus in Pelayos de la Presa, 65 Kilometer westlich von Madrid.
Auch in Spanien verursachen die Feuer massive Schäden, wie etwa an diesem Haus in Pelayos de la Presa, 65 Kilometer westlich von Madrid.
OSCAR DEL POZO/AFP
In La Adrada ist der Himmel rot vor Flammen. Die Gemeinde wurde am Samstag vorsorglich evakuiert.
In La Adrada ist der Himmel rot vor Flammen. Die Gemeinde wurde am Samstag vorsorglich evakuiert.
César Vallejo Rodríguez/César Vallejo Rodríguez/EUROPA

Bereits in der Nacht auf Freitag hatte die spanische Regierung den nationalen Notstand ausgerufen.

Auch in Italien brennt es derzeit. Besonders betroffen sind die Mittelmeerinsel Sizilien und die Region Kalabrien. Allein auf Sizilien wurden mehrere Dutzend Feuer gemeldet. Auf Sardinien musste in der Umgebung der Inselhauptstadt Cagliari ein Altersheim evakuiert werden. Die Behörden befürchten eine Verschärfung der Lage durch eine neue Hitzewelle. Immer wieder werden die Flammen durch den aus Afrika kommenden Scirocco-Wind angefacht.

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters.

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