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Frankreich-Wahl:"Unsere Familie ist mein Sockel, mein Fels in der Brandung"

Brigitte Marcron (Mitte) mit ihren Töchtern Tiphaine (rechts) und Laurence (links).

(Foto: AFP)

Emmanuel und Brigitte Macron haben keine gemeinsamen Kinder. Im Wahlkampf war der künftige Präsident einmal in einer TV-Sendung zu Gast, in der Kinder ihm Fragen stellen konnten. Ein kleines Mädchen wollte wissen, warum er kein eigenes Baby haben wollte. "Das ist die Wahl, die ich getroffen habe. Brigitte ist meine Frau und hat schon drei Kinder. Wir haben uns die Frage schon gestellt, aber ich für meinen Teil bin zu der Überzeugung gelangt, dass es das Wichtigste ist, dass wir diese Kinder gut großziehen und dass wir sie lieben." Als Marine Le Pen ihrem Widersacher vorwarf, er könne deshalb nicht über das Thema Familie mitreden, konterte er: "Ich habe Kinder und Enkel des Herzens."

Brigitte Macron hat zwei Töchter und einen Sohn aus erster Ehe und inzwischen auch sieben Enkelkinder - Emmanuel Macron ist mit seinen fast 40 Jahren also bereits Stief-Opa. Wie wichtig ihm seine Patchwork-Familie ist, hat er immer wieder betont: "Unsere Familie ist mein Sockel, mein Fels in der Brandung", sagte er einmal. Klatschmagazine berichten über Wochenenden der Großfamilie in Brigitte Macrons stattlichem Haus im nordfranzösischen Badeort Le Touquet.

Über Sébastien Auzière, mit 42 Jahren das älteste Kind von Brigitte Macron, ist wenig bekannt. Er scheut die Öffentlichkeit, es gibt nur wenig Bilder von ihm und die Klatschzeitschrift Voici musste beim Karriereportal LinkedIn recherchieren, um mehr über ihn herauszubekommen: Demnach studierte er Ingenieurwesen und machte dann als Statistikexperte Karriere. In der Öffentlichkeit tauchte er erst Mitte April zum ersten Mal auf. Bei einer Wahlkampfveranstaltung saß er, gemeinsam mit seiner Ehefrau eine Reihe unter seinen beiden Schwestern. Eine Aufgabe im Team Macron hat er trotzdem übernommen. Er kümmert sich um die Social Media-Auftritte des Kandidaten. Eine Rolle, die ihm liegt, denn so kann er im Hintergrund bleiben.

Etwas öfter sah man Laurence, die ältere Tochter von Brigitte Macron, bei Wahlkampfauftritten. Die Kardiologin ist so alt wie ihr Stiefvater und ging sogar mit ihm in die Klasse. "Da ist ein Wahnsinniger in meiner Klasse. Einer, der alles über alles weiß", soll sie damals über ihn gesagt haben.

Wirklich präsent war im Wahlkampf aber nur die jüngste Tochter, Tiphaine Auzière. Die Mutter zweier Kinder ließ ihren Job als Anwältin ruhen und gründete in ihrem Wohnort Saint-Josse eine Ortsgruppe von Macrons Bewegung: "Ich fand immer, dass Emmanuel eine Persönlichkeit ist, die sich weit von anderen abhebt", sagte sie. Er sei erfreut gewesen über ihre Unterstützung, aber "er hat mich nie zu etwas gedrängt. Alles, was ich für ihn getan habe, geschah aus eigenem Antrieb". Und der ist offenbar groß: Anfang März machte sie am Ärmelkanal einen werbewirksamen Strandspaziergang. Ihren beiden Kindern hatte sie T-Shirts mit "En Marche!"-Schriftzug übergestreift und sogar auf das Fell des großen weißen Hundes der Familie hatte sie in blauen Lettern den Namen von Macrons Bewegung geschrieben.

Emmanuel Macron selbst stammt aus einem bürgerlichen Elternhaus, er ist der Sohn eines Neurologie-Professors und einer Ärztin. Nachdem die Liebesgeschichte an der Jesuitenschule bekannt wurde, wechselte der Musterschüler nach Paris und machte am Elitegymnasium Henri IV sein Abitur. "Ich komme zurück und werde Sie heiraten", soll er zum Abschied seiner Lehrerin versprochen haben. Zunächst allerdings studierte er Philosophie an der Elitehochschule Sciences Po und anschließend an der legendären Verwaltungshochschule ENA. Er machte eines der besten Examen und bekam mit 27 einen Job im Finanzministerium. Mit 35 verdiente er als Rothschild-Banker bereits Millionen. Unter Hollande wurde er Wirtschaftsminister, bis er zurücktrat und seine eigene Bewegung gründete.

In der Führungsriege von En Marche! hat der künftige französische Präsident nun vor allem Menschen mit ähnlichem Werdegang um sich geschart: Ehemalige Elitestudenten, jung, smart, ein bisschen links und ziemlich glatt. Schöngeister, die ehrgeizig sind und gut formulieren können. Das gefällt dem Literaturliebhaber. Die Gala hat recherchiert, dass Brigitte zwar Emmanuels erste Leidenschaft sei, danach aber gleich - neben Savate-Boxen - seine Bücher und das Klavier folgen.

Angeblich ist Emmanuel Macron ein so guter Klavierspieler, dass er auch Pianist hätte werden können. Während seiner Zeit mit Hollande nannte man ihn deshalb auch den "Mozart im Élysée-Palast". Man darf also gespannt sein, was noch kommt. Zeit für weitere Karrieren hat Emmanuel Macron noch. Wenn er als französischer Präsident nach spätestens zwei Amtszeiten abdanken muss, wird er noch nicht einmal 50 sein.

(Mit Material der Agenturen)

© SZ.de/lalse/dd/cat
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