Frankreich und der Weltuntergang:"Das Ende der Welt hat ihn etwas früher ereilt"

Auch der Bericht der Miviludes-Kommission nährt solche Sorgen. Demnach verdichten sich weltweit apokalyptische Szenarien auf den Dezember 2012. Weltuntergangs-Gruppen erlebten "in zahlreichen Ländern einen beispiellosen Aufschwung", warnt Miviludes. Sie seien manipulatorischer, fanatischer und hysterischer als andere sektenartige Vereinigungen. Die Gurus schürten ein Klima der Angst und zögen den Furchtsamen mit ihren Errettungslehren das Geld aus der Tasche.

"Wer erinnert sich nicht an die Tragödie des Ordens der Sonnentempler?", fragt Georges Fenech, der Präsident von Miviludes. In den neunziger Jahren begingen in der Schweiz, Kanada und Frankreich 74 Anhänger der Sekte Selbstmord oder wurden umgebracht, um der vermeintlichen Apokalypse zu entfliehen und im System des Sirius eine neue Menschheit zu begründen.

Die sich im Internet ausbreitende Furcht vor dem 21. Dezember 2012 lasse das Risiko neuer kollektiver Selbstmorde steigen, warnt Miviludes. Die Kommission rät, das Netz entsprechend zu überwachen und international stärker zu kooperieren.

Das derzeitige Klima lässt den Wahn besonders gut wuchern. Nach dem Untergang der großen politischen Ideologien seien viele Menschen orientierungslos, heißt es bei Miviludes. Die Wirtschaftskrise und Naturkatastrophen wie der Tsunami von Japan würden als Vorboten größeren Unheils gedeutet. Das Internet verschaffe den Katastrophen-Propheten zudem einen gewaltigen Resonanzkörper. Dies unterscheide die aktuelle Weltuntergangsbewegung von ähnlichen Phänomenen in früherer Zeit.

Die Menschen im französischen Bugarach wissen um die Gefahr. Bürgermeister Delord stellt sich auf Tausende Fanatiker ein. Und er warnt: Falls seine Gemeinde überrannt werde, rufe er die Armee. Einstweilen flüchtet er sich in Sarkasmus. Wie er dem Figaro erzählte, erlag vor zwei Wochen ein Weltuntergängler nach dem Besteigen des Pic de Bugarach einem Herzinfarkt: "Das Ende der Welt hat ihn etwas früher ereilt."

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