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Frankfurt:Acht Menschen in Gewahrsam nach nächtlichen Krawallen

Nach Krawallen auf Frankfurter Opernplatz

Mitarbeiter der Stadtreinigung Frankfurt mussten am Sonntagmorgen Scherben der zertrümmerten Scheiben einer Bushaltestelle entfernen. In der Nacht war es auf dem Opernplatz zu gewalttätigen Krawallen gekommen.

(Foto: dpa)

"Dem Wahren, Schoenen, Guten" ist die Alte Oper in Frankfurt gewidmet. Doch in der Nacht auf Sonntag kommt es zu Ausschreitungen, die der Polizeipräsident einen "absoluten, negativen Höhepunkt" nennt.

Von Philipp Saul

Die Alte Oper in der Frankfurter Innenstadt hat eine wechselvolle Geschichte. Im Zweiten Weltkrieg durch einen Luftangriff zerstört, war das Opernhaus jahrzehntelang nur eine große Ruine im Herzen der Stadt. Die Stadtoberen stritten über den teuren Wiederaufbau und der damalige hessische Wirtschaftsminister Rudi Arndt brachte 1965 gar den Vorschlag in Umlauf, die Alte Oper nicht neu zu errichten, sondern zu sprengen. Er würde "eine Million für das Dynamit" geben.

Auch wenn Arndt später behauptete, die Idee nie ernsthaft vorgeschlagen zu haben, brachte sie ihm den schmeichelhaften Spitznamen Dynamit-Rudi ein. Umgesetzt wurde die Anregung nie. Wenige Jahre später wurde Arndt Frankfurter Oberbürgermeister und unter ihm begann 1976 der Wiederaufbau des Konzerthauses.

Inzwischen ist die Alte Oper längst wieder ein Ort für große Kulturveranstaltungen und Festlichkeiten. "Dem Wahren Schoenen Guten" ist sie gewidmet, so steht es in großen Lettern an der Vorderseite des Gebäudes geschrieben.

Aktion 'Night of Light' - Frankfurt am Main

Der Brunnen vor der Alten Oper in Frankfurt.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Der Platz vor der Alten Oper hat sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. Besonders in den vergangenen Wochen nutzten ihn viele Frankfurter als eine Art Freiluft-Partyzone. Weil die Bars und Clubs wegen der Corona-Beschränkungen noch immer geschlossen sind, kommen an den Wochenenden tausende Menschen zusammen, um auf der Fläche mit dem Brunnen in der Mitte und den Lichtern der Großstadt im Hintergrund zu feiern, meist in friedlicher Stimmung.

Die Krawalle an diesem Juli-Wochenende jedoch hatten mit "dem Wahren, Schoenen, Guten" nichts zu tun.

Wie die Polizei mitteilte, haben sich seit Samstagabend bis zu 3000 feiernde Menschen friedlich auf dem Platz versammelt. Gegen 1 Uhr habe die Stimmung jedoch zu kippen begonnen. Es habe kleinere Schlägereien gegeben und etwa zwei Stunden später habe sich eine Massenschlägerei mit etwa 20 bis 30 Beteiligten entwickelt. Einer davon sei blutend am Boden liegengeblieben.

Als die Polizei eingreifen wollte, seien die Beamten von Umstehenden "massiv" mit Flaschen angegriffen und beleidigt worden, obwohl sie "deeskalierend und kommunikativ" gehandelt hätten, sagte Polizeipräsident Gerhard Bereswill bei einer Pressekonferenz am nächsten Tag. Zu dieser Zeit seien noch etwa 500 bis 800 Menschen auf dem Opernplatz gewesen. Mindestens fünf Beamte seien verletzt worden.

Polizeipräsident: "absoluter, negativer Höhepunkt"

Nach Krawallen auf Frankfurter Opernplatz

Eine Haltestelle am Opernplatz in der Krawallnacht

(Foto: dpa)

Videos aus der Nacht bestätigen, wie Gegenstände in Richtung anrückender Polizisten geworfen werden, ein Mann versucht mehrfach, die Glasscheibe einer Bushaltestelle mit einer Mülltonne zu beschädigen. Andere Männer schleudern Mülltonnen auf die Straße.

Mit zusätzlichen Kräften räumte die Polizei den Platz und nahm in der Nähe 39 Menschen vorübergehend fest, acht kamen erst am Sonntag frei. Gegen sie werde weiterhin wegen Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung ermittelt, teilte die Polizei mit. Die Festgenommenen sind alle 17 bis 23 Jahre alt und kommen aus Frankfurt und dem Umland.

Der Polizeipräsident sieht die Krawalle als "absoluten, negativen Höhepunkt" der vergangenen Wochen. "Das ist sehr schlimm, was sich da entwickelt und heute Nacht entladen hat", sagte er bei der Pressekonferenz. "Das Verhalten der Menschen in den späten Abendstunden hat sich in den letzten Wochen zu unserem Nachteil verändert."

Die "gesamte Menschenmenge" habe gejubelt, wenn Polizisten von Flaschen getroffen worden seien. "Von der Qualität, aber auch von der Anzahl ist das etwas, was ich in Frankfurt noch nicht erlebt habe", sagte der Polizeipräsident.

Zuletzt hatten schwere Krawalle in Stuttgart bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Randalierer hatten Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert.

Mit Material der dpa

© SZ
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