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Mord am Frankfurter Hauptbahnhof:Mutmaßlicher Täter soll psychiatrisch untersucht werden

  • Der Mann, der im Verdacht steht, einen jungen und seine Mutter in Frankfurt vor einen ICE geschubst zu haben, soll bald psychiatrisch untersucht werden.
  • Aus der Schweiz gibt es Hinweise, dass Habte A. wohl zuletzt schwere psychische Probleme hatte.
  • In Frankfurt kamen mehrere hundert Menschen zu einer Gedenkfeier zusammen. Trotz Wortgefechten zwischen Rechtspopulisten und anderen Teilnehmern blieb es friedlich.

Der Mann, der am Montag im Frankfurter Hauptbahnhof eine Mutter und ihren Sohn vor einen einfahrenden ICE gestoßen haben soll, wird alsbald psychiatrisch untersucht. Eine solche Prüfung solle so schnell wie möglich stattfinden, einen Termin dafür gebe es aber noch nicht, sagte am Mittwoch eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, die gegen den 40 Jahre alten Eritreer Habte A. wegen Mordes und zweifachen Mordversuchs ermittelt. Das acht Jahre alte Kind war vom Zug erfasst und getötet worden, die Mutter hatte sich retten können. Eine 78-jährige Frau, die der Mann ebenfalls auf das Gleis stoßen wollte, hatte sich auf dem Bahnsteig gerade noch in Sicherheit bringen können.

Die seelische Gesundheit von Habte A. könnte für den Verlauf der Ermittlungen bedeutsam sein. Die Schweizer Polizei hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass der Mann zuletzt womöglich schwere psychische Probleme hatte und deswegen in diesem Jahr in ärztlicher Behandlung war. Vergangene Woche war er gewalttätig geworden, hatte eine Nachbarin in seinem Wohnort Wädenswil im Kanton Zürich mit einem Messer bedroht, sie anschließend zusammen mit seiner Ehefrau und den gemeinsamen drei Kindern eingeschlossen und sich dann abgesetzt. Die Ehefrau und die Nachbarin waren nach Darstellung der Schweizer Behörden von dem Gewaltausbruch überrascht worden. So hätten sie den Mann zuvor nie erlebt, zitierten Vertreter der Kantonspolizei Zürich die beiden Frauen.

Laut Staatsanwaltschaft hat sich der mutmaßliche Täter bisher nicht zu seinem Motiv geäußert

Bei der Suche nach dem Grund für die Attacke in Frankfurt kommen die deutschen Fahnder weiterhin nicht voran. Auch vor dem Haftrichter habe sich Habte A. am Dienstagnachmittag nicht zu seinem Motiv geäußert, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Schweizer Behörden hatten zuvor mitgeteilt, dass es aus ihrer Sicht keine religiösen oder ideologischen Gründe für den Gewaltausbruch vor einer Woche in seiner Wohnung gegeben habe. A. war am Montag kurz nach der Tat am Gleis 7 des Hauptbahnhofs festgenommen worden. Inzwischen sitzt er in Untersuchungshaft.

Einige Hundert Menschen gedachten am Dienstagabend auf Einladung der katholischen und evangelischen Kirche auf dem Bahnhofsvorplatz der Opfer der Attacke. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sowie Kirchenvertreter erinnerten nicht nur an das Leid der Familie des toten Jungen, sondern warnten mit Blick auf Äußerungen aus der AfD, die Straftat politisch zu instrumentalisieren und damit den inneren Frieden im Land zu gefährden. Der Leiter der Frankfurter Bahnhofsmission, Carsten Baumann, zeigte sich besorgt, dass vor allem mit Kommentaren in Internet-Foren versucht werde, die Gesellschaft zu spalten. Einige Rechtspopulisten waren ebenfalls zu dem Gedenken gekommen und lieferten sich mit anderen Teilnehmern Wortgefechte. Wie die Frankfurter Polizei anschließend mitteilte, sei die Veranstaltung insgesamt aber friedlich verlaufen.

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