Folterskandal in der JVA Verbrüht, erniedrigt, stranguliert

Zwei Männer sollen in der JVA Regis-Breitingen einen Mithäftling gequält und versucht haben, ihn zum Selbstmord zu zwingen. Sie stehen vor Gericht. Bisher schwiegen sie.

In wenigen Stunden ist so viel vorgefallen. Was ihm von seinen Mithäftlingen angetan wurde, wird der 20-jährige ruhige und zurückhaltende Mann, der jetzt im Landgericht Leipzig aussagen muss, nie vergessen können: Vor zwei Jahren - im Mai 2008 - lockten ihn Mitinsassen in den Duschraum der Jugendhaftanstalt Regis-Breitingen. Dort sollen sie ihn mit kochendem Wasser übergossen und mit einem Besenstiel geschlagen haben. Bis zu sieben Männer sollen ihn überwältigt, auf einen Stuhl gefesselt und festgehalten haben, um seinen Oberkörper zu beschmieren. Ob mit Hakenkreuzen und SS-Runen, wie früher berichtet wurde, sagte der Staatsanwalt beim Prozessauftakt nicht.

Im Jugendgefängnis Regis-Breitingen - dem modernsten Gefängnis Sachsens - haben Fifra N. (l.) und Patrick B. einen 18-Jährigen gefoltert und versucht, ihn zum Selbstmord zu zwingen.

(Foto: Foto: dpa)

Seine zum Tatzeitpunkt selbst erst 15 und 24 Jahre alten Peiniger Fifra N. und Patrick B. sollen ihm zudem damit gedroht haben, ihn von russischen Mitgefangenen ermorden zu lassen, das Kopfgeld sei bereits ausgesetzt. Das war das vorläufige Ende: Der junge Mann soll in seiner Zelle zweimal versucht haben, sich zu erhängen.

Als der Versuch fehlschlug, hätten Fifra N. und Patrick B. selbst zu einem Gürtel gegriffen, um ihn zu erwürgen, hieß es in der Anklage. Das Opfer habe sich jedoch befreien können. Später vertraute er sich einem Wärter an, sprach aber zunächst von einem geplanten Suizid. Erst ein Jahr nach den Vorfällen kam heraus, dass der junge Mann wochenlang erniedrigt und gequält wurde.

Tagelange Erniedrigung

Die beiden Männer, die dem damals 18-Jährigen dieses Martyrium angetan haben, stehen jetzt in Leipzig vor Gericht. Der 17-Jährige Fifra N. ist mehrfach wegen seiner hohen Aggressivität in Erscheinung getreten, er soll mehrere Mitgefangene gequält haben.

Mit ihm ist der 26-Jährige Patrick B. angeklagt, der ebenfalls versucht haben soll, den Mithäftling in den Selbstmord zu treiben. Ursprünglich war insgesamt gegen neun Beschuldigte ermittelt worden. Beiden Männern wird unter anderem versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Tagelang sollen sie den damals 18-Jährigen gedemütigt und geschlagen haben, bis es zu der Szene in der Dusche kam.

Die Angeklagten wollten sich vor Gericht zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Weil ein Gutachter, der das Verhalten von Fifra N. im Gerichtssaal beobachten soll, nicht zum Prozessauftakt erschienen war, wird die weitere Verhandlung auf Mittwoch vertagt. Das Urteil in Leipzig wird für den 10. Februar erwartet.

Modernstes Gefängnis in Sachsen

Täter und Opfer saßen in Regis-Breitingen geringfügige Strafen ab. Während das Opfer mittlerweile entlassen ist, sind die beiden Angeklagten weiterhin in Haft. Patrick B. ist aber mittlerweile ins Torgauer Gefängnis verlegt worden.

Mehrere Monate nach dem Folterskandal hat der sächsische Justizminister Geert Mackenroth (CDU) Fehler bei der Unterbringung der Häftlinge eingeräumt und von bereits erfolgten Verbesserungen gesprochen.

Der Mann, der heute als Opfer im Saal des Leipziger Landgerichts steht, ist nicht das einzige Folteropfer aus der Jugendhaftanstalt Regis-Breitingen. Kurze Zeit später wurde ein Häftling von mehreren Mithäftlingen aus seiner Zelle gezerrt, kopfüber in eine Mülltonne gesteckt und bei dem Versuch, sich den Schmutz abzuwaschen, mit Scheuermitteln und Schrubbern gequält.

Das Jugendgefängnis in Regis-Breitingen gilt als Sachsens modernste Haftanstalt. Das Gebäude mit 376 Plätzen wurde im Oktober 2007 eröffnet. Nur einen Monat nach der Eröffnung tötete sich ein 21-jähriger Häftling selbst. Im März 2009 nahm sich ein weiterer Mann das Leben.