Süddeutsche Zeitung

Flutkatastrophe in Ghana:Viele Tote bei Tankstellen-Explosion

  • Bei der Explosion einer Tankstelle in der ghanaischen Hauptstadt Accra sind mindestens 73 Menschen getötet worden.
  • Vermutlich wurde die Detonation durch Benzin, das durch Überflutungen in ein nahes Feuer geschwemmt wurde, ausgelöst.
  • Die Opferzahl könnte noch steigen, da angrenzende Wohnviertel in Brand geraten sind und zusätzlich Menschen im Hochwasser ertrunken sein könnten.

Zahlreiche Tote bei Explosion in Accra

Sie suchten Schutz vor den starken Regenfällen und wurden von einem Feuer überrascht. Im belebten Zentrum von Ghanas Hauptstadt Accra ist eine Tankstelle explodiert. Dutzende Menschen kommen dabei ums Leben. Viele andere ertrinken in den Wassermassen.

Die Explosion ereignete sich im Kwame Nkrumah Circle in der Innenstadt von Accra. Bei ihr sind fast 100 Menschen gestorben. Die genau Zahl der Opfer variiert. Der örtliche Radiosender StarrFM zitierte Augenzeugen und Sicherheitskräfte, die von mehr als 190 Opfern sprachen. Die Feuerwehr habe 73 Leichen geborgen, sagte ein Polizeivertreter. Ghanas Innenminister Mark Woyongo betonte, ihm sei von 76 Toten berichtet worden. Jedoch sei dies vermutlich noch keine endgültige Zahl.

Nach schweren Regenfällen ist die Metropole überflutet, einigen Menschen sollen ertrunken sein. Behörden zufolge soll das Unglück an der Tankstelle durch Treibstoff, der durch die Überflutungen in ein Feuer in der Nähe geschwemmt wurde, ausgelöst worden sein. Durch die Detonation wurden auch umliegende Gebäude in Brand gesetzt. Die Rettungskräfte vermuteten dort weitere Opfer. Die Feuerwehr war viele Stunden lang im Einsatz, um den Großbrand zu löschen. Nach dem Unglück lagen verkohlte Leichen über die Gegend verstreut. Zahlreiche Straßen der Hauptstadt sind nicht passierbar, Hochwasser erschwert die Bergungsarbeiten.

Kritik an der Infrastruktur der Metropole

"Viele Menschen sind gestorben, einige in den Fluten und noch viel mehr in dem Feuer", sagte Ghanas Präsident John Mahama beim Besuch der Unglücksstelle. Es werde alles getan, um sicherzustellen, dass sich solche Desaster nicht wiederholten. Ein nahe gelegenes Militärkrankenhaus habe mitgeteilt, dass die Leichenhalle überfüllt sei, berichtete die Zeitung Daily Guide. Kommunikationsminister Edward Omane Boamah sprach von einem "nationalen Notstand". Er forderte die Bewohner von Accra auf, Orte zu meiden, in denen es große Abwasserkanäle gibt.

Die Kanalisation in der Zweimillionen-Einwohner-Stadt ist überlastet. Der Starkregen der vergangenen Tage hatte bereits vielerorts in Accra für Überschwemmungen und Chaos gesorgt. In einigen Stadtvierteln brach die Stromversorgung zusammen, weil Umspannwerke unter Wasser standen. Bereits vor Beginn der Regenzeit hatten lokale Medien vor möglichen Konsequenzen gewarnt. "Unsere sogenannte Stadtplanung immer wieder bloßgestellt, sobald der Regen auf uns niederprasselt", schreibt etwa der Daily Guide in einem Kommentar.

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