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Flugzeugabsturz über dem Mittelmeer:Egypt-Air-Passagierflugzeug abgestürzt - "Sie sind einfach verschwunden"

Von Paul-Anton Krüger, Kairo, und Christian Wernicke, Paris

Eine Passagiermaschine der staatlichen ägyptischen Fluggesellschaft Egypt Air mit 66 Menschen an Bord ist am frühen Morgen auf dem Weg von Paris nach Kairo von den Radarschirmen verschwunden und nach Angaben der Behörden abgestürzt. Egypt Air teilte mit, der Kontakt zum 2003 gebauten Airbus A320 sei abgerissen, nachdem er über dem Mittelmeer gerade in den ägyptischen Luftraum eingeflogen war.

Es wurde eine Such- und Rettungsaktion von Spezialeinheiten der ägyptischen Armee mit Schiffen und Flugzeugen sowie der Behörden eingeleitet. Ein griechisches Flugzeug beteiligt sich an der Suche nach der Maschine. Es wird vermutet, dass sie ins Mittelmeer gestürzt ist. Suchmannschaften sind inzwischen über dem vermuteten Absturzgebiet.

Am Flughafen Kairo wurde ein Krisenzentrum zur Betreuung der Angehörigen eingerichtet. Der französische Präsident François Hollande telefonierte mit seinem ägyptischen Kollegen Abdel Fattah al-Sisi; auch in Paris wurde ein Krisenstaab eingerichtet.

Kein Notruf, aber ein Notfallsignal

Flug MS904 war um 23:09 am Mittwoch in Paris Charles de Gaulle mit etwa 25 Minuten Verspätung gestartet und sollte planmäßig um 3:15 am Donnerstag in Kairo landen. Gegen 2:30 riss der Kontakt zu der Maschine ab, als sie sich bereits der ägyptischen Küste näherte. Laut Egypt Air war sie noch etwa 280 Kilometer entfernt.

Ehab Mohy el-Deen, Chef der Behörde für zivile Luftfahrt sagte, die griechische Flugsicherung habe Ägypten darüber informiert. Das Flugzeug habe keinen Notruf abgesetzt und auch nicht an Höhe verloren. "Sie sind einfach verschwunden", sagte er. Den letzten Kontakt mit der Flugzeugbesatzung habe es zehn Minuten vor dem Verschwinden der Maschine gegeben.

Egypt Air teilte dagegen später mit, das Militär habe ein Notfallsignal der Maschine aufgefangen, das möglicherweise automatisch ausgelöst wurde.

Unfälle, bei denen Flugzeuge im Reiseflug verunglücken, sind relativ selten, kommen aber immer wieder vor. Zu möglichen Ursachen gab es zunächst keine Angaben. Der französische Regierungschef Manuel Valls sagte, es könne nichts ausgeschlossen werden.

Nach Angaben von Egypt Air befanden sich 56 Passagiere an Bord, zudem sieben Besatzungsmitglieder und drei Sicherheitsleute der Fluggesellschaft. Von den Passagieren sind 30 Ägypter, 15 Franzosen, zwei Iraker und jeweils ein Algerier, ein Brite, ein Belgier, ein Kanadier, ein Kuwaiter, ein Tschader, ein Portugiese, ein Saudi und ein Sudanese. Unter den mutmaßlichen Opfern sind ein Kind und zwei Kleinkinder unter zwei Jahren.

Die Piloten waren laut der Fluggesellschaft erfahren; der Kapitän habe mehr als 6200 Flugstunden gehabt, davon mehr als 2100 auf dem betroffenen Maschinentyp, der Kopilot hatte 2700 Flugstunden.

Erinnerungen an Bombenanschlag vom Oktober

Am 31. Oktober 2015 war ein Airbus A321 der russischen Fluggesellschaft Kogalymavia kurz nach dem Start im Badeort Scharm el-Scheich am Roten Meer über dem Sinai abgestürzt. Dabei kamen alle 224 Menschen an Bord ums Leben. Russland und auch westliche Staaten gehen davon aus, dass die Maschine durch eine in der Kabine versteckte Bombe zum Absturz gebracht wurde. Die Terrormiliz Islamischer Staat hatte sich für den Anschlag verantwortlich erklärt.

Mängel in der Flughafensicherheit wurden dafür verantwortlich gemacht, dass die Bombe an Bord geschmuggelt werden konnte. Inzwischen hat Ägypten diese nachgebessert, wie jüngst Bundesinnenminister Thomas de Maizière bei einem Besuch in Kairo sagte. Paris war selbst mehrmals Ziel von Anschlägen des IS.

Ein Inlandsflug der Egypt Air von Alexandria nach Kairo war am 29. März von einem Passagier mit einer Bombenattrappe nach Zypern entführt worden; das Hijacking endete unblutig, nachdem sich der Mann den Behörden in Larnaka ergab. Er hatte zuvor alle Passagiere gehen lassen.

Maschinen der Egypt Air waren seit 1999 in zwei große Unfälle verwickelt: Am 31. Oktober 1999 stürzte eine Boeing 767 mit 217 Menschen an Bord auf dem Weg von New York nach Kairo in den Atlantik, weil der Pilot offenbar Suizid beging. Am 7. Mai 2002 verunglückte eine Boeing 737 beim Anflug auf Tunis, 14 der 62 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Egypt Air gehört seit 2008 Teil zur Star Alliance, einem Bündnis von Fluggesellschaften, zu denen auch die Lufthansa zählt. Die Gesellschaft betreibt eine Flotte aus rund 80 Maschinen und fliegt vor allem mit modernen Flugzeugen der großen Hersteller Boeing und Airbus. Das Durchschnittsalter der Maschinen lag laut Egypt Air zuletzt bei etwa 10 Jahren. Damit liegt die Airline im üblichen Rahmen, bei der Lufthansa sind die Maschinen im Schnitt ein wenig älter.

© SZ.de/mcs

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