Flugzeugabsturz in China:Mit Absicht auf den Berghang gelenkt

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Flugzeugabsturz in China: Rettungskräfte suchen am 22. März an der Absturzstelle des Flugzeugs im Kreis Tengxian in der südchinesischen autonomen Region Guangxi Zhuang nach dem Flugschreiber.

Rettungskräfte suchen am 22. März an der Absturzstelle des Flugzeugs im Kreis Tengxian in der südchinesischen autonomen Region Guangxi Zhuang nach dem Flugschreiber.

(Foto: Jiang Huaipeng/dpa)

Laut einem Medienbericht war der mysteriöse Flugzeugabsturz in China kein Unfall. Für die Angehörigen, die weiter auf Aufklärung warten, sind die wenigen Informationen, die sie erreichen, verunsichernd.

Von Jens Flottau, Frankfurt, und Lea Sahay, Peking

Es war das schwerste Flugzeugunglück Chinas seit langer Zeit: Am 21. März stürzte eine Boeing 737-800 der China Eastern Airlines auf dem Weg von Kunming nach Kanton ab, 132 Menschen kamen bei dem Aufprall ums Leben. Immer noch ist unklar, was den Absturz verursacht hat, denn die offiziellen Stellen des Landes schweigen. Doch jetzt hat das Wall Street Journal mit einem Bericht für Aufregung im Land gesorgt: Demnach hat jemand an Bord das Flugzeug mit Absicht in den Boden gesteuert.

In einem Bericht der Hongkonger South China Morning Post appellierte ein Angehöriger an die chinesische Fluggesellschaft, die bisherigen Erkenntnisse bekannt zu machen. "Wenn das stimmt, ist es so schrecklich", sagte der Mann mit dem Nachnamen Ouyang, der bei dem Absturz seinen 18-jährigen Neffen, einen Studenten aus Guangzhou, verloren hatte. "China Eastern Airlines muss uns eine eindeutige Erklärung geben."

Das Dementi als Teil weniger Informationen

Die englischsprachige Staatszeitung Global Times, die häufig als Sprachrohr für Botschaften ans Ausland genutzt wird, berichtete unter Hinweis auf beteiligte Personen in den Ermittlungen der chinesischen Luftverkehrsbehörde (CAAC) zusammen mit der US-Behörde für Transportsicherheit (NTSB), dass "keine betreffenden Informationen aus den Ermittlungen an Medien gegeben" worden seien. Im April hatten chinesische Behörden ähnliche Berichte noch entschieden als "Gerüchte" zurückgewiesen.

Das Dementi gehörte zu den wenigen Informationen, die trotz des großen Interesses in der Bevölkerung am Montag in den staatlichen Onlinemedien veröffentlicht wurden.

Dem Wall Street Journal zufolge haben die Analysen des Flugdatenschreibers ergeben, dass ein Steuerimpuls den Sturzflug der Boeing 737 ausgelöst hat. Die Maschine war zuvor in einer normalen Reiseflughöhe von 29 000 Fuß (knapp neun Kilometern) unterwegs gewesen, nichts deutete auf ein technisches Problem hin. Auch die Kommunikation mit der Flugsicherung verlief normal. Ein weiteres Indiz darauf, dass zumindest bislang keine technischen Ursachen gefunden wurden, ist, dass weder die Civil Aviation Administration of China (CAAC) noch die amerikanische Federal Aviation Administration (FAA) noch Boeing selbst irgendwelche Warnungen veröffentlicht haben. Dies wäre dann international üblich. Die CAAC hatte am 20. April in einer Zusammenfassung eines ersten Unfallberichtes, der gemäß internationalem Protokoll immer nach einem Monat veröffentlicht werden muss, lediglich darauf hingewiesen, dass die Analyse der Daten noch andauere. Der Bericht selbst ist unter Verschluss.

Probleme mit der Aufklärung

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich betroffene Airlines und Staaten schwertun mit der Erkenntnis, dass Piloten mit Absicht eine Maschine abstürzen lassen. Ägypten reagierte mit Protesten, als amerikanische Behörden den Absturz einer Egyptair-Boeing-767 1999 damit erklärten, einer der Piloten habe das Flugzeug ins Meer gesteuert. Auch beim Malaysia-Airlines-Flug 370 im Jahr 2014, der bis heute nicht rekonstruiert ist, gilt dies als mögliche Erklärung, die in Malaysia kaum akzeptiert wird. Anders der Fall Germanwings aus dem Jahr 2015: Damals war innerhalb weniger Tage klar, dass der Copilot die Maschine in einen Berg flog.

In den sozialen Medien Chinas ließen sich am Montag auffällig wenig Beiträge zu dem Bericht des Wall Street Journal finden, ein Hinweis darauf, dass die Zensoren viele Kommentare löschten. Auch Suchanfragen zu "China Eastern" und "China Eastern Blackbox" wurden zensiert. Auf Wechat, der wichtigsten Kommunikationsplattform in China, konnten Nutzer den Artikel nicht mit anderen Anwendern teilen.

In den wenigen Kommentaren, die auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo stehen blieben, zweifelten Internetnutzer vor allem an der Glaubwürdigkeit der US-Zeitung, diese sei als ausländisches Medium nicht hoch, weshalb Vorsicht geboten sei. In einem anderen Beitrag hieß es, "US-Medien ist nicht zu trauen, unseren Funktionären ist nicht zu trauen. In dieser Welt gibt es niemand, dem man noch glauben kann". Ein Nutzer rief zu Geduld auf, man solle lieber auf den offiziellen Bericht der Flugaufsichtsbehörde warten. Ein anderer antwortete: "Wie lange, 100 Jahre?"

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