Flugverkehr Pilot antwortet nicht - zwei Eurofighter eskortieren indische Boeing

  • Ungewöhnliches Ereignis über dem deutschen Luftraum: Eine Boeing 777 der indischen Fluglinie Jet Airways war kurrzeitig nicht mehr erreichbar.
  • Zur Sicherheit stiegen zwei Eurofighter auf, um Sichtkontakt zu den Piloten herzustellen.
  • Der Fall ereignete sich bereits am vergangenen Donnerstag, wurde aber erst jetzt bekannt, weil Videoaufnahmen des Manövers aufgetaucht sind.

Weil der Kontakt zu einem Passagierflugzeug über dem deutschen Luftraum kurzzeitig verlorengegangen war, hat die Luftwaffe am vergangenen Donnerstag sicherheitshalber zwei Eurofighter aufsteigen lassen.

Die Maschine - eine Boeing 777 der indischen Gesellschaft Jet Airways - war von Mumbai nach London-Heathrow unterwegs. Die planmäßige Route des zehnstündigen Fluges führte in nordwestlicher Richtung auch über deutschen Luftraum - grob entlang einer Linie Nürnberg-Frankfurt-Köln. An Bord befanden sich 330 Passagiere und 15 Crewmitglieder.

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Wie das Fachportal Aviation Herald berichtet, ging der Kontakt zu den Piloten verloren, als die 777 von der Flugverkehrskontrolle in Bratislava nach Prag übergeben wurde. Solche Übergaben von einer Kontrollstelle an die nächste sind in der Passagierluftfahrt Routine. Die Maschine flog dann weiter über Tschechien und erreichte schließlich den deutschen Luftraum.

Da die Piloten der Jet-Airways-Maschine mit der Flugnummer 9W-118 auf Nachfragen nicht antworteten, entschied die deutsche Flugsicherung, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Dass der Kontakt zu Passagiermaschinen abbricht, kommt öfter vor. Geklärt werden muss dann, ob es sich um ein ernstes Problem oder gar um eine Luftnotlage handelt. Unter anderem zu diesem Zweck unterhält die Luftwaffe in Deutschland zwei sogenannte Alarmrotten mit Kampfjets. In diesem Fall rückten zwei Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 in Neuburg an der Donau aus, um Sichtkontakt zu der indischen Passagiermaschine herzustellen.

Als die Eurofighter das Flugzeug auf einer Position etwa 100 Kilometer nördlich von Nürnberg fast erreicht hatten, gelang es schließlich, doch noch Kontakt zu den Piloten herzustellen. Obwohl zu diesem Zeitpunkt klar schien, dass alles in Ordnung ist, entschied das Luftwaffenkommando, die Mission fortzuführen und die Jet-Airways-Maschine bis an die Grenze zu eskortieren.

"Ein kurzzeitiger Loss of Communication kommt bei Passagiermaschinen öfter mal vor. Meist ist das nicht dramatisch und alles klärt sich nach wenigen Minuten", sagt eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung in Langen bei Frankfurt. Auch dass Kampfjets zur Sicherheit aufsteigen, ist an sich nicht beosnders ungewöhnlich. Dennoch ist dieser Fall besonders, denn es existieren Videoaufnahmen von dem Manöver.

Vermutlich aus dem Cockpit einer anderen, an dem Vorfall unbeteiligten Maschine wurde gefilmt, wie sich die beiden Eurofighter dem indischen Flugzeug näherten und dann daneben flogen. Bei dem anderen Flugzeug handelt es sich mehreren Berichten zufolge um British Airways Flug 2042, der von den Malediven nach London unterwegs war und sich zur selben Zeit ebenfalls über der Mitte Deutschlands befand. Die British Airways-Maschine befand sich etwa 2000 Fuß (ungefähr 600 Meter) höher als der indische Jet, daher hatte dessen Pilot eine hervorragende Sicht auf das Manöver. Wer genau das Video aufgenommen hat und wer es zuerst ins Netz stellte, ließ sich bisher aber nicht klären.

Die Untersuchung zu dem Fall dauert noch an. Die Ursache für die kurzzeitigen Kontaktabbruch hat sich allerdings bereits jetzt als harmlos herausgestellt : Wie der Aviation Herald schreibt, ist ein einfacher Zahlendreher schuld. Bei der Übergabe von Bratislava nach Prag sollen die Piloten statt der Frequenz 132,890 MHz den falschen Wert 132,980 eingestellt haben.

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