Nach Räumung Terminal am Frankfurter Flughafen wieder freigegeben

  • Am Frankfurter Flughafen sind Teile des Terminals 1 geräumt worden, nachdem eine Familie unberechtigt in den Sicherheitsbereich gelangt war.
  • Rund 80 Lufthansa-Flüge sind gestrichen worden.
  • Inzwischen ist das betroffene Terminal wieder freigegeben worden.
Von Jan Willmroth, Frankfurt

Als die Sperrung vorbei ist, dauert das Durcheinander noch lange an. Hunderte Fluggäste warten in der Eingangshalle von Terminal 1 auf nähere Informationen, lesen und tippen auf ihren Handys, einige haben sich in die Ecken gelegt, die Köpfe auf Taschen und Rucksäcken, andere steigen um auf überfüllte Fernzüge. Aus Richtung der beiden Bahnhöfe kommen immer neue Reisende, die Halle füllt sich weiter, die Klimaanlage hat zu kämpfen, die Schlangen an den Lufthansa-Schaltern wachsen. Die meisten sehen gelassen aus, es ist erstaunlich ruhig, niemand wirkt aufgebracht oder verzweifelt, höchstens genervt, weil schlecht informiert.

Gute drei Stunden zuvor am Dienstagvormittag im Teilbereich A des Terminals, von dort starten überwiegend innerdeutsche Flüge, Verbindungen ins europäische Ausland und in den Nahen Osten. Eine vierköpfige französische Familie passiert die Sicherheitskontrolle, der Sprengstofftest schlägt an, sie müssten zur Nachkontrolle. Trotzdem werden die vier durchgelassen in den Sicherheitsbereich. Als sie das bemerkt, stoppt die Polizei das Boarding sofort, evakuiert Bereich A und sperrt ihn ab, auch die Bediensteten der Airlines müssen raus. Eine Mitarbeiterin der Luftsicherheit sei Schuld, teilt die Flughafen-Dienststelle der Bundespolizei etwa eine Stunde nach Ende der Sperrung via Twitter mit. "Die Familie wurde gefunden, befragt und durfte weiterreisen", schrieben die Beamten.

Die geräumten Terminalbereiche nutzt fast ausschließlich Lufthansa. Einer Sprecherin der Bundespolizei zufolge wurden 80 Flüge gestrichen, andere waren teilweise um Stunden verspätet. Insgesamt waren am Frankfurter Flughafen am Dienstag etwa 1500 Flüge geplant. Man arbeite an einem aktualisierten Flugplan, gab die Lufthansa zwischenzeitlich bekannt. Gelandete Flugzeuge parkten auf dem Rollfeld, die Passagiere mussten warten. Terminal 2 war nicht betroffen, die Teilbereiche B und C von Terminal 1 blieben offen. Die Folgen waren dennoch schnell zu spüren; ankommende Passagiere verpassten ihre Anschlussflüge, gleich zu Beginn fielen mehrere Maschinen nach Stuttgart aus.

Etliche Reisende beschwerten sich über die aus ihrer Sicht unzureichende Information der Lufthansa. ZDF-Moderator Claus Kleber, als Fluggast Teil des Geschehens an diesem Tag, kritisierte die Durchsagen des Flughafenpersonals: Es gebe keinen Grund zur Beunruhigung, hörten die Wartenden wieder und wieder aus den Lautsprechern. "Unnütz", schrieb Kleber auf Twitter. "Wie wäre es mit: Das und das sind unsere Gründe. Wir sind halt extra vorsichtig. Deshalb dauerts?". Es fühle sich an wie München neulich, schrieb er - nur stehe er diesmal mittendrin.

Der Vorfall erinnert an das Chaos am Münchner Flughafen

Ende Juli war Terminal 2 des Münchner Flughafens komplett geräumt worden, weil eine Frau ohne Kontrolle in den Sicherheitsbereich gelangt war. Mindestens 200 Flüge fielen aus, bei etwa 60 Flügen kam es zu Verspätungen. Erst etwa vier Stunden nach dem Vorfall wurde der Sicherheitsbereich sukzessive wieder freigegeben. Die Dame, so stellte sich später heraus, hatte zum Zeitpunkt der Evakuierung schon im Flieger Platz genommen. Eine Rekonstruktion des Falls ergab später, dass sie kein zweites Mal kontrolliert worden war, nachdem man sie zunächst wegen einer Flüssigkeit in ihrem Kosmetikkoffer vor dem Sicherheitsbereich abgewiesen hatte.

An Deutschlands größten Flughafen in Frankfurt gab es vor fast genau zwei Jahren eine ähnliche Situation. Damals war eine Frau nach der Kontrolle ihres Handgepäcks in den Sicherheitsbereich von Terminal 1 weitergegangen, obwohl ihre Kontrolle nicht abgeschlossen war. Von der Evakuierung des Terminals waren damals etwa 5000 Passagiere betroffen. Wer schon drin war, wurde erneut kontrolliert. Rund 100 Flüge fielen aus, auch nach der Wiederaufnahme des Terminalbetriebs kam es noch stundenlang zu Verzögerungen.

Letzteres ließ sich auch diesmal nicht vermeiden. Durch die enge Taktung der genau aufeinander abgestimmten Flugpläne wird jede Unterbrechung zum größeren Störfaktor. Und so standen am Nachmittag Hunderte in der Halle, tranken das verteilte Kostenlos-Wasser und wussten nach vier Stunden noch immer nicht, ob sie über Nacht würden bleiben müssen.

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