Süddeutsche Zeitung

Flughafen:Düsseldorf: Eurowings-Pilot lässt 72 Passagiere sitzen

  • Am Eurowings-Flugsteig des Düsseldorfer Flughafen kam es am Freitagabend zu chaotischen Szenen.
  • Wegen angeblich randalierender Passagiere wurde die Bundespolizei alarmiert, die jedoch niemanden festnahm.
  • Anschließend flog der Pilot nur mit der Hälfte der Passagiere nach Dresden, angeblich aus Zeitmangel.

Man nehme einen durcheinandergeratenen Flugplan, verärgerte Passagiere und einen unter Zeitdruck stehenden Piloten - und heraus kommen 72 herrenlose Koffer am Dresdner Flughafen. So in etwa stellt sich die chaotische Situation dar, die sich am Freitagabend am Düsseldorfer Flughafen ereignete: Der Pilot einer Eurowings-Maschine nach Dresden ließ 72 Passagiere in einem Bus am Rollfeld stehen, angeblich um dem Nachtflugverbot zuvorzukommen. Ein Teil der insgesamt 144 Passagiere soll zuvor randaliert haben.

Die Passagiere hatten an dem Abend bereits mehr als zwei Stunden am Gate gewartet, berichtete die Rheinische Post unter Berufung auf die Bundespolizei. Planmäßig hätte der Flug um 19.05 Uhr starten sollen, doch dann verzögerte sich der Start auf 21.35 Uhr. Daraufhin soll es am Gate zu Tumulten und sogar zu einer Schlägerei unter Passagieren gekommen sein, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. Die herbeigerufenen Beamten hätten von der Prügelei allerdings nichts mitbekommen und fanden nur "einige aufgebrachte Passagiere" und ein beschädigtes Schild im Wartebereich vor. Festgenommen wurde niemand.

Was die Airline sagt

Offenbar erst danach wurden die Passagiere in zwei Bussen zum Flugzeug gefahren. An Bord gelassen wurde aber nur die Hälfte der Passagiere, wie eine Eurowings-Sprecherin auf SZ-Anfrage bestätigte. Um dem um 21.49 Uhr beginnenden Nachtflugverbot zuvorzukommen, habe sich der Pilot in Absprache mit der Verkehrszentrale zum Abflug entschieden. Wo genau sich die zurückgelassenen Passagiere zu diesem Zeitpunkt aufhielten, konnte die Sprecherin nicht sagen. Auch zu dem angeblichen Tumult wollte sie sich nicht äußern.

Das aus Italien kommende Flugzeug sei wegen des dortigen Fluglotsenstreiks und wegen "der angespannten Wetterlage" mit Verspätung in Düsseldorf angekommen. Ein Teil der gestrandeten Passagiere sei noch am selben Abend im Bus nach Sachsen gefahren, der Rest kam im Hotel unter und sei auf den nächsten Tag umgebucht worden.

Ein Augenzeuge erlebte etwas anderes: "Wir wurden nicht umgebucht, sondern mussten uns selbst darum kümmern", sagte der 30-Jährige dem Kölner Express. Die Airline habe lediglich eine Erstattung der Kosten angekündigt. "Die Kunden haben die Möglichkeit, einen Antrag auf die gesetzlich geregelte Entschädigung zu stellen", sagte die Eurowings- Sprecherin nun und entschuldigte sich für die entstandenen Unannehmlichkeiten.

"Das absolute Chaos"

"Es war das absolute Chaos", zitierte der Express den Augenzeugen weiter. "Einige Passagiere kamen noch mit dem Taxi aus Köln zu uns, da dort offenbar auch ein Flug ausgefallen war", sagte der 30-Jährige, der nach eigenen Angaben regelmäßig auf der Strecke fliege und dergleichen zuvor nicht erlebte habe.

Ob das Gepäck der Gestrandeten schon am Freitagabend nach Dresden geflogen war, wie Rheinische Post und der Express übereinstimmend berichteten, war der Eurowings-Sprecherin am Samstagnachmittag noch nicht bekannt.

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SZ.de/kat/bön
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