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Fluggesellschaft:Sicherheitsmitarbeiter stellt United-Airlines-Rauswurf anders dar

FILE PHOTO - A United Airlines 787 taxis as a United Airlines 767 lands at San Francisco International Airport, San Francisco

United Airlines ist in den vergangenen Wochen mehrmals in die Kritik geraten, weil der Fluggsellschaft vorgeworfen wird, seine Kunden schlecht zu behandeln.

(Foto: REUTERS)
  • In einem offiziellen Bericht erhebt ein Sicherheitsmitarbeiter Vorwürfe gegen den Passagier, den United Airlines gewaltsam aus dem Flugzeug werfen ließ.
  • Demnach war der Passagier gewalttätig gegenüber den Sicherheitskräften geworden und sei im Gerangel gefallen.
  • Ende April will die Fluggesellschaft die Ergebnisse ihrer internen Untersuchung präsentieren.

Die Bilder von dem blutenden Passagier, der an den Armen aus dem Flugzeug von United Airlines - genauer einer Maschine der Regionalmarke United Express - gezogen wird, gingen um die Welt. Mitreisende hatten schockiert berichtet, wie der Mann gewaltsam von seinem Sitz gezerrt worden war, um den Platz für Mitarbeiter der durchführenden Fluglinie Republic Airline frei zu machen. Ein Sicherheitsmitarbeiter des Department of Aviation in Chicago beschreibt nun in einem offiziellen Bericht, wie es seiner Meinung nach zu dem Vorfall gekommen sei. Demnach hat sich alles etwas anders zugetragen, als bisher von den Passagieren berichtet wurde - zumindest was die Ursache der Verletzungen berichtet. Diese hat der Mann demnach selbst verschuldet.

Dem Bericht zufolge habe der Sicherheitsmitarbeiter den Flugpassagier gebeten, aus dem Flugzeug zu steigen. Doch dieser habe "seine Arme fest verschränkt". Als er seinen Arm nach dem Mann ausstreckte, sei er gewalttätig geworden: "Plötzlich schlug er um sich und kämpfte", schreibt der Sicherheitsmitarbeiter in seinem Bericht.

Im Gerangel sei er gefallen und habe sich den Mund an der Armlehne eines Sitzes auf der anderen Seite des Ganges aufgeschlagen. Weil sich der Mann geweigert habe, aufzustehen, habe er ihn aus dem Flugzeug gezogen. Die Videoaufnahmen zeigen dem Bericht zufolge erst den Moment, als der Passagier durch den Gang geschleift wird.

In einem zweiten Bericht, der am Montag veröffentlicht wurde, berichtet die Polizei Chicago, der Mann sei mit seinem Gesicht gegen eine Armlehne gestoßen, als die Sicherheitsmitarbeiter versuchten, ihn aus dem Flugzeug zu entfernen. Zu den konkreten Verletzungen werden in den Berichten keine Angaben gemacht. Der Anwalt des Passagiers hatte zwei Tage nach dem Vorfall mitgeteilt, der Mann habe eine gebrochene Nase und eine Gehirnerschütterung erlitten sowie zwei Zähne verloren.

In einer internen E-Mail an seine Mitarbeiter hatte der Chef von United Airlines, Oscar Munoz, das Vorgehen zunächst verteidigt. Kurze Zeit später aber entschuldigte er sich in einer Mitteilung für den Vorfall. Er sprach von einem "wirklich schrecklichen Ereignis", das viele Gefühle wie Empörung, Wut und Enttäuschung ausgelöst habe. "Niemand darf so misshandelt werden." United Airlines kündigte an, den Vorfall zu untersuchen. Bis Ende April sollen die Ergebnisse vorliegen.

Der gewaltsame Rauswurf des Passagiers hatte weltweit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst - auch weil der Mann laut US-Medien behauptet hatte, er sei ausgewählt worden, weil er Chinese sei. Entsprechende Berichte wurden in China millionenfach geteilt und sorgten für Entrüstung.

United Airlines wurde in den vergangenen Wochen mehrmals vorgeworfen, seine Kunden nicht besonders gut zu behandeln. Die Fluggesellschaft hatte unter anderem zwei Mädchen in Leggins den Zutritt zum Flugzeug verweigert und ein Brautpaar nicht zur eigenen Hochzeit fliegen lassen, weil es angeblich versucht habe, in einer besseren Sitzkategorie Platz zu nehmen.

© SZ.de/AP/lot/afis/cat

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