Flug Von 8 auf 101 Minuten

Der kürzeste internationale Linienflug der Welt stellt einen weiteren inoffiziellen Rekord auf: den für die größte Verzögerung. Die Maschine musste mehrere Warteschleifen drehen.

Von Stefan Mayr

PE203 hatte es nicht leicht bisher. Schon mehr als zwei Monate lang hat sich der kürzeste internationale Linienflug der Welt klaglos in sein Dasein als Acht-Minuten-Trip für 40 Euro gefügt. Hat stets pflichtbewusst zweimal täglich die 21 Kilometer von Friedrichshafen nach Altenrhein am anderen Ufer des Bodensees abgeklappert und dabei versucht, all den Spott (wie mickrig!) und die Kritik (wie umweltschädlich!) wegzustecken. Es muss sich da einiges angesammelt haben. Jedenfalls war es für das deutsch-schweizerische Übersee-Flügli jetzt offenbar an der Zeit, mal zu zeigen, was wirklich in ihm steckt.

PE203 startete zunächst einigermaßen pünktlich um 20.49 Uhr. Und landete nicht flugplanmäßige acht, sondern beachtliche 101 Minuten später, also mit einer Verspätung von mehr als eineinhalb Stunden. Damit hat PE203 einen weiteren inoffiziellen Weltrekord aufgestellt: eine Verzögerung um 1162,5 Prozent. Die Verzwölffachung der planmäßigen Flugzeit, das muss man erst einmal nachmachen. So ganz ohne Zwischentanken.

Auslöser des Überflugs war die Schweizer Luftwaffe. Ein Transport-Hubschrauber vom Typ Super Puma hatte nämlich beim Start in Altenrhein jede Menge Schnee auf die Landebahn gewirbelt. Dieser gefror wegen der tiefen Temperaturen sofort fest. Deshalb konnte PE203 nicht landen und wurde in die Warteschleife geschickt. Bis auf Weiteres.

"Normalerweise dauert so eine Enteisung eine halbe Stunde", sagt Thomas Mary, Pressesprecher des Flughafens St. Gallen-Altenrhein, der auch die betroffene Fluggesellschaft Peoples Viennaline betreibt. "Aber der Wind war so extrem, dass sich das in die Länge zog." Nach 13 Runden über dem Kanton Thurgau landete die Embraer-Maschine, nachdem sie zusätzliche 3000 Liter Kerosin für 1200 Euro verbraucht hatte. "Sicherheit geht vor", sagt Pressesprecher Mary. Die Tankfüllung hätte noch für eine weitere halbe Stunde gereicht. Nicht mehr lange also, dann hätte der Pilot nach Zürich weiterfliegen müssen. Zurück ging es nicht mehr: Der Tower des kleinen Flughafens in Friedrichshafen hatte bereits die Lichter ausgemacht, nachdem PE203 dort gestartet war.

Eine Entschädigung für die Passagiere gibt es nicht. Die ist erst bei drei Stunden Verspätung vorgeschrieben - und nur, wenn die Fluggesellschaft diese verschuldet hat. Und überhaupt, betont Thomas Mary, passiere es "tausend Mal am Tag", dass eine Maschine aus Sicherheitsgründen länger in der Luft bleiben muss. Dafür hätten die Fluggäste doch sicherlich Verständnis, sagt Mary. "Das war eine ganz normale Verzögerung."