bedeckt München 17°
vgwortpixel

Flüchtlingspolitik:Papst vergleicht Flüchtlingslager mit KZ

Papst Franziskus

Hat sich mit drastischen Worten zur EU-Flüchtlingspolitik geäußert: Papst Franziskus.

(Foto: dpa)

Die Äußerung fiel mit Blick auf die Situation auf der griechischen Insel Lesbos. Die Politik der EU gegenüber Migranten sei völlig verfehlt.

Die Lage in den sogenannten Hotspots auf den griechischen Ägäisinseln, wo zahlreiche Flüchtlinge Aufnahme gefunden haben, ist seit Monaten angespannt. Auf den Inseln befinden sich insgesamt etwa 13 800 Flüchtlinge, die weiter nach Mitteleuropa oder zumindest zum griechischen Festland wollen. Auf dem griechischen Festland leben noch einmal gut 50 000 Migranten - oft unter widrigen Bedingungen.

Jetzt hat sich Papst Franziskus mit einem äußerst brisanten Vergleich in die Debatte um die EU-Flüchtlingspolitik in die Debatte eingemischt. Bei einem Gottesdienst in Rom sagte er, die Situation auf Lesbos und andere Inseln erinnere ihn an die Nazizeit. "Viele Flüchtlingslager sind Konzentrationslager - wegen der Menge an Menschen darin." Die Einhaltung internationaler Abkommen sei "anscheinend wichtiger als Menschenrechte", so der Papst.

Anlass der Äußerungen war ein Gottesdienst zum Gedenken an die Märtyrer des 20. und 21. Jahrhunderts in der Kirche San Bartolomeo in Rom. Als Beispiel für eine moderne Märtyrerin nannte Franziskus eine Frau, die von offenbar islamistischen Terroristen getötet wurde, weil sie ein Kruzifix trug und ihrem Glauben nicht abschwören wollte. Ihren Man habe er im vergangenen Jahr bei einem Besuch auf Lesbos getroffen.

Papst Franziskus rügte auch grundsätzlich die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union. Er pries die Großzügigkeit von Staaten wie Griechenland und Italien, wo die meisten Migranten anlanden, und kritisierte Abkommen, die eine gleichmäßige Verteilung auf alle Mitgliedstaaten verhindern. Einwanderung sei im Interesse Europas, sagte er. Die Europäer bekämen immer weniger Kinder, schlössen aber zugleich die Türen für Migranten. "Das nennt sich Selbstmord", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

© SZ.de/dpa/AFP/olkl

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite