Süddeutsche Zeitung

Fliegen:Ein Lob auf noch kleinere Flugzeugtoiletten

Zwei Airlines wollen ihre Klos um 25 Zentimeter schrumpfen. So können sie sechs Plätze mehr verkaufen. Die reine Gier? Nicht doch! Eine Stilkritik.

Von Martin Zips

In Zeiten, in denen Kerosin immer teurer wird, neigen Flugzeugpassagiere zu infamen Unterstellungen. Schlechter Service, ausgelaugtes, unterbezahltes Personal, fehlender Platz - all das sei nur Ausdruck der immer größer werdenden Gier weltweit agierender Luftfahrtkonzerne.

Wenn jetzt, wie die Washington Post berichtet, Airlines wie United und Delta ihre Bordtoiletten um 25 Zentimeter verkleinern, so geschehe dies nur, um noch mehr zahlungskräftiges Menschenmaterial in den Flieger zu pressen. Kleinere Bordtoiletten bedeuteten nämlich: Platz für sechs weitere Passagiere. Das kann man so nicht stehen lassen. Ein Flugzeug ist heute für viele Menschen: ihr Zuhause. Ein Ort innigster Gemeinschaft - zugleich Büro, Schlafsaal, Spielplatz, Seniorenheim und Partybude. Ein Fleck allergrößter menschlicher Nähe, tief gehender Bekanntschaften und interessantester Gruppenerlebnisse. Das Einzige, was stört, sind: Individualisten.

Menschen, die permanent von ihren Economy-Fensterplätzen herausdrängen, um sich, meist allein, in den einzigen abschließbaren Raum zu begeben, den es für Passagiere noch gibt: die Toilette. Dort erleichtern sie sich dann stundenlang (erlaubt), putzen Zähne (erlaubt), haben Sex (verboten), bereiten einen Anschlag vor (verboten) oder schlucken Antidepressiva (erlaubt). Was genau sie tun - in der fliegenden Großröhre kann man es nur erahnen. Andere Passagiere macht das nervös. Noch engere Bordtoiletten dürften es Individualisten künftig deutlich schwerer machen und gut für das positive Gruppengefühl an Bord sein. Wer mit seinem Ticket die Gemeinschaft sucht, sollte sich nicht lange zurückziehen können. Zudem ist, zwischen Papierspender und Rauchmelder eingequetscht, die Verletzungsgefahr bei Turbulenzen deutlich geringer.

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Quelle:
SZ vom 21.11.2018/ick
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