First Lady:Guten Rutsch!

Lesezeit: 1 min

Vanity Fair

Umstritten, gelinde gesagt: das Titelbild mit First Lady Melania Trump.

(Foto: Vanity Fair)

Das hat uns gerade noch gefehlt: Auf dem Titel der mexikanischen "Vanity Fair" frühstückt Melania Trump Diamanten. Jenseits der diplomatischen Erwägungen wirft dies auch eine wichtige kulinarische Frage auf.

Von Tanja Rest

Wenn man das Geschmäcklerische kurz beiseite lässt, handelt es sich um ein Motiv, das nachdenklich stimmt - und wann hätte man das über ein Titelbild des stets in Gloss ersaufenden Magazins Vanity Fair schon mal sagen können? Halten wir zunächst also fest: Bravo!

Die Überlegung, die beim Betrachten des Fotos unverzüglich einsetzt, ist diese: Wie muss der Schliff von Diamanten beschaffen sein, um optimale Verdaulichkeit zu garantieren? Der Herzschliff geht auf gar keinen Fall - unten spitz, dazu die tiefe Kerbe zwischen den beiden Rundungen, da kann sich schnell mal was in der Speiseröhre verhaken. Gleiches gilt für den Brillant- (zu scharfkantig), den Treppen- (zu viereckig) sowie den Scherenschliff (zu klobig). Bleibt nur noch der Ovalschliff übrig, in Kombination mit zwei Löffelchen Gelée royale müsste der eigentlich runterrutschen wie nichts. So weit die praktische Handreichung für Nachahmer. Nun zum Geschmäcklerischen.

Es ist in der Tat Melania Trump, die hier ein Keramikschüsselchen voller edler Geschmeide kredenzt bekommen hat und soeben dabei ist, ein brillantenbesetztes Collier auf der Gabel aufzudrehen wie einen Strang Spaghetti. JA GEHT'S NOCH?!? Bevor jetzt alle aufspringen und wütende Sprechblasen ins Internet pusten: Es ist davon auszugehen, dass Melania Trump nicht First Lady werden wollte, als sie sich ihren Milliardär angelte. Außerdem ist das Foto, wie auch das dazugehörige Interview, schon im Frühjahr 2016 in der Zeitschrift GQ erschienen, was damals keine Menschenseele groß gejuckt hat.

Jetzt aber schmückt das Bild die mexikanische Ausgabe von Vanity Fair, und da drängt sich doch der Eindruck auf, dass der US-Präsident den armen Mexikanern 15 Milliarden Dollar für eine Mauer abknöpft, während seine Ehefrau Juwelen im Schätzwert von einer Million Dollar zum Frühstück verspeist. Für die unter dem Hashtag #Freemelania versammelte Bewegung dürfte dieses Titelbild zusätzlichen Rückenwind bedeuten: Eine Frau, die so miese PR-Berater und ein so unterentwickeltes Gespür für Stimmungen hat, sollte man von ihrem aktuellen Präsentierteller schleunigst befreien.

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