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Finnland:Abschied vom Hakenkreuz

Finnland: Kampfjet der finnischen Luftwaffe.

(Foto: Jonathan Nackstrand/AFP)

Nach jahrelangen Debatten streicht die finnische Luftwaffe die Swastika aus der Liste ihrer Symbole.

Von Kai Strittmatter

Das Hakenkreuz ist eines der ältesten Symbole der Menschheit, ursprünglich wohl aus einem Sonnensymbol entstanden. Archäologen haben mehr als 10 000 Jahre alte Abbildungen gefunden. Im Indus-Kulturraum ist die Swastika rund 5000 Jahre alt. Man findet sie heute als Glücks- und Segensbringer in vielfältiger Ausformung, sowohl nach rechts als auch nach links geöffnet, in Hindu-Tempeln, buddhistischen Schreinen - und bis vor Kurzem noch fand man sie auch in Emblemen und auf Schulterabzeichen der finnischen Luftwaffe.

Tatsächlich machte der finnische Politikprofessor Teivo Teivainen erst vergangene Woche darauf aufmerksam, dass das finnische Luftwaffenkommando gerade erst "still und heimlich" das Hakenkreuz aus seinem Symbolrepertoire gestrichen hat. Statt ein von Flügeln umrahmtes Hakenkreuz ziert nun ein goldener Adler das neue Emblem des Luftwaffenhauptquartiers. Ein Schritt, für den Politologe Teivainen seit Jahren schon kämpft.

Beim Anblick eines Hakenkreuzes fällt den meisten Europäern heute als erster Gedanke nun einmal nicht "alter Glücksbringer" ein. Vielmehr sei die Assoziation Nazisymbol "nur schwer zu vermeiden", schrieb Teivainen schon 2016 in seinem Blog.

Die Finnen nutzte das Hakenkreuz schon 1918

Dass die finnische Luftwaffe all die Jahrzehnte nach dem zweiten Weltkrieg am Hakenkreuz festgehalten hatte und sich mit der Trennung davon so schwer tat, liegt auch daran, dass das Symbol den Weg in ihre Reihen schon lange vor Hitlers Aufstieg gefunden hatte. Es gebe also keinerlei Verbindung zur nationalsozialistischen Bewegung, so die Argumentation der Verteidiger. Tatsächlich stand bei der Luftwaffe Finnlands das Hakenkreuz - blau auf weißem Grund - ganz am Anfang ihrer Existenz. Das Symbol zierte 1918 das erste Flugzeug, das für die neugegründete finnische Armee in die Lüfte stieg: eine Thulin Typ D, ein Geschenk des schwedischen Aristokraten Eric von Rosen, der damit den Kampf gegen die Rote Armee unterstützen wollte.

Die Swastika war als Symbol Anfang des 20. Jahrhunderts wieder in Mode gekommen, Eric von Rosen hatte sie zu seinem persönlichen Glücksbringer gemacht. Der spätere Missbrauch des Symbols durch die deutschen Nazis focht die finnische Luftwaffe all die Jahre nicht an, ebenso wenig die Tatsache, dass Eric von Rosen wenige Jahre nach seiner großzügigen Spende an Finnland selbst zu einem prominenten Unterstützer der schwedischen Nationalsozialisten aufstieg. 1923 wurde er gar zum Schwager Hermann Görings, der die Schwester seiner Frau heiratete.

"Wir sind stolz auf unsere Traditionen. Wir schämen uns nicht für die Swastika, die bei uns im Gebrauch ist, sie hat mit Nazideutschland nichts zu tun", sagte Stabschef Jari Mikkonen nun der Zeitung Helsingin Sanomat. Allerdings habe das Symbol im Ausland immer wieder Aufmerksamkeit erregt. Man habe sich wieder und wieder erklären müssen, mit der Abschaffung nun hoffe er auf ein Ende der Diskussionen. Das Luftwaffenkommando erklärte, das neue Design seiner Embleme gehe zurück auf die 2017 beschlossene "Harmonisierung" des Erscheinungsbildes aller Truppenteile.

Auch in Finnland breiten sich rechtsextreme Strömungen aus

Politologe Teivainen begrüßte in derselben Zeitung den Schritt. Die Tatsache, dass das Hakenkreuz prominent im Emblem des Luftwaffenkommandos und auf dessen Webseite platziert war, hätte Missverständnissen und böswilligen Interpretationen Tür und Tor geöffnet: "Es ist ein wenig so, als drückst du deinem Feind eine Pistole in die Hand", sagte er. Gerade in einer Zeit, in der auch in Finnland rechtspopulistische und rechtsextreme Strömungen im Anwachsen sind. Finnische Neonazis waren zuletzt mehrfach am finnischen Unabhängigkeitstag mit eindeutig ans deutsche Vorbild angelehnten Hakenkreuzfahnen aufmarschiert.

An ein Verbot des Symbols wie in Deutschland denkt in Finnland allerdings niemand. Und unterhalb der Hauptquartiersebene findet man das Hakenkreuz in Finnlands Luftwaffe auch jetzt noch immer, so schmückt es zum Beispiel, verziert mit einem Propeller, das Emblem der Luftwaffenakademie.

© SZ/nas
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