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Tiere als Filmstars:Der Kniff mit der Klickermethode

Hühnertrainerin Aurelia Franke-Hornung

Die Tiertrainerin Aurelia Franke-Hornung, 59, mit Huhn Estrella im Arm. Estrella soll Filmhuhn Sieglinde nachfolgen, das von einem Hund totgebissen worden ist.

(Foto: Alexander Menden)

615 Euro für das getötete Filmhuhn Sieglinde: Ist das angemessen? Und: Sind Hühner dümmer als Papageien? Ein Besuch bei Aurelia Franke-Hornung, die Kleintiere für den großen Auftritt trainiert.

Von Alexander Menden, Kalkar

Zum Transport kommt Karl-Heinz in eine Plastikkiste, was ihn aber nicht weiter zu stören scheint. Karl-Heinz ist eine entspannt wirkende Bartagamen-Echse, und in die Kiste muss er umziehen, weil er gleich einen Termin mit dem Dschungelkönig Prince Damien bei RTL in Köln hat. "Soll eine Überraschung werden", sagt Aurelia Franke-Hornung. "Der mag anscheinend Reptilien."

Karl-Heinz ist nur eins von vielen Tieren, die Aurelia Franke-Hornung im Erdgeschoss ihres zum Kleinzoo umgebauten Einfamilienhauses am Niederrhein hält: Neben seinem Terrarium säumen weitere beheizte Glaskästen mit diversen Reptilien eine Wand des Wohnzimmers. In dessen Mitte balgen sich drei Mopswelpen. Eine schwarze Katze schleicht durch den Flur. Weitere Hunde wurden für die Dauer des Gesprächs hinter die Anrichte verbannt, an deren Rand Vogelspinne Smitti in ihrem Terrarium hockt. Auf der Fahrerkabine eines großen hölzernen Feuerwehrautos mümmelt ein Zwergkaninchen in seinem Käfig vor sich hin. "Das Kaninchen hat schon mit Mirja Boes gedreht", sagt Aurelia Franke-Hornung. Sie sagt das nicht ohne Stolz, Mirja Boes ist eine Komikerin, die regelmäßig im Fernsehen auftritt, ein echter Star im Grunde.

Aber eigentlich sind sie das ja fast alle hier, in diesem Klinkerbau in der Kleinstadt Kalkar: Stars. Frauke-Hornung, eine energisch auftretende Frau, die an diesem windigen Januartag auch im Haus Steppjacke trägt, versorgt Film- und Fernsehproduktionen mit eigenen Tieren oder holt sie von Dritten und trainiert sie für den Einsatz vor der Kamera. Franke-Hornungs niederrheinische Menagerie ist sehr gefragt. Ihre Aga-Kröte Buffo etwa wird demnächst als "Kühlwalda" in der "Catweazle"-Kinoverfilmung mit Otto Waalkes zu sehen sein.

Keines der Tiere, die sie trainierte, hat allerdings je so viel mediale Aufmerksamkeit erregt wie eine braune Henne namens Sieglinde. Und das posthum.

Sieglinde fuhr gerne Auto

Kürzlich war Sieglindes gewaltsamer Tod Gegenstand eines Prozesses am Landgericht Kleve, zu dem sogar ein russisches Fernsehteam anreiste. Ein frei laufender Hund hatte die zutrauliche Sieglinde, die friedlich auf ihrem Hof scharrte, im Sommer 2017 totgebissen. Der Halter hatte der erschütterten Besitzerin Ute Milosevic daraufhin zehn Euro angeboten, mit der Begründung: "Ist ja nur ein Huhn." Nur ein Huhn?

Sieglinde war eben kein gewöhnliches Huhn, wie Aurelia Franke-Hornung betont: "Ute rief mich eines Tages an und erzählte mir von diesem superzahmen Huhn, das gerne Auto fährt und sogar mit auf dem Pferd sitzt." Die Henne lebte auf Ute Milosevics Hof im nahen Weeze. Die Tiertrainerin, die auch auf den Namen Sieglinde kam, war nach der ersten Begutachtung überzeugt, einen Vogel mit Schauspielpotenzial entdeckt zu haben: "Sieglinde hielt sogar still, wenn knapp neben ihr ein Auto zum Stehen kam, ließ sich von jedem hochnehmen und reagierte, wenn man sie beim Namen rief."

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