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Ferguson:Obama will Körperkameras für Polizisten

Student activists stage a 'die-in' as part of the nationwide 'Hands up, walk out' protest at Washington University in St. Louis

Studenten liegen bei einem "Die-in" in der Washington University in St. Louis auf Tischen und auf dem Boden.

(Foto: REUTERS)
  • Präsident Barack Obama hat eine Task-Force eingerichtet, um über die Lehren aus Ferguson zu diskutieren.
  • Obama bringt Körperkameras für Polizisten ins Gespräch und will dafür insgesamt 75 Millionen Dollar (60 Millionen Euro) bereitstellen.
  • Tausende Menschen haben erneut in den ganzen USA wegen der Tötung des unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown durch einen weißen Polizisten protestiert.

Obama will Task-Force einrichten

US-Präsident Barack Obama hat die Einrichtung einer Task-Force angekündigt, die sich um bessere Beziehungen zwischen Polizei und Bürgern kümmern soll. Die Arbeitsgruppe solle innerhalb von drei Monaten Vorschläge präsentieren, sagte Obama. Er gestand ein, dass frühere Arbeitsgruppen in dieser Frage wenig erfolgreich gewesen seien. Das werde "diesmal anders" sein.

Der US-Präsident hatte sich zuvor mit Bürgerrechtsaktivisten getroffen, um über Lehren aus Ferguson zu diskutieren. Er sagte, es habe ihn sehr getroffen, von den Erfahrungen der Aktivisten zu hören. Zu erfahren, wie sich junge Menschen "an den Rand gedrängt" fühlten, obwohl sie alles richtig gemacht hätten, passe nicht zu seinen Vorstellungen von den Werten der USA.

Obama erwägt Körperkameras für Polizisten

Protests Continue For A Second Day In NYC After Ferguson Grand Jury Decision

Demonstranten am New Yorker Times Square.

(Foto: AFP)

Der US-Präsident brachte auch ins Gespräch, mehr Beamte mit Kameras am Körper auszurüsten. Das Weiße Haus teilte mit, dass Obama die Anschaffung in den kommenden drei Jahren mit insgesamt 75 Millionen Dollar (60 Millionen Euro) unterstützen will. Einige Großstädte setzen solche Kameras, die Polizisten während ihrer Dienstzeit an Hemd oder Kragen tragen, bereits testweise ein.

Bei Beratungen des Präsidenten mit seinem Kabinett über die Lage in Ferguson sei es auch um die bisher übliche Praxis gegangen, Polizisten mit militärischer Ausrüstung auszustatten. Binnen 120 Tagen solle eine Reform der Praxis erarbeitet werden. Bereits im August hatte Obama eine Überprüfung des Programms angeordnet, das Gemeinden erlaubt, Schusswaffen oder gepanzerte Fahrzeuge vom US-Verteidigungsministerium zu kaufen.

Menschen im ganzen Land protestieren

Aus Solidarität mit dem erschossenen schwarzen Teenager Michael Brown haben in den USA am Montag erneut in zahlreichen Städten Tausende Menschen demonstriert. Sie reckten die Hände in die Höhe und erinnerten daran, dass der 18-Jährige unbewaffnet war, als er im August in der Kleinstadt Ferguson in Missouri von einem Polizisten erschossen wurde. In vielen Städten gab es spontane Ansammlungen an Universitäten und Arbeitsplätzen, jeweils etwa zu Mittag - das war die Uhrzeit, zu der Brown starb.

An der Washington University in St. Louis kamen Studenten zu einem "Die-in" zusammen - eine Protestform, die angelehnt ist an die "Sit-ins", Sitzstreiks während der Studentenproteste in den sechziger Jahren. Für viereinhalb Minuten lagen die Studenten in ihren Mänteln und Jacken, mit Taschen und Rucksäcken auf dem Boden einer Campus Lounge - so, als seien sie tot.

In New York versammelten sich mehrere Hundert Menschen, darunter vor allem weiße Studenten, auf dem Times Square zu einer Schweigeminute und riefen dann "Hände hoch, nicht schießen" und "keine Gerechtigkeit, kein Frieden". Auf Plakaten forderten sie Gefängnisstrafen für Polizisten, die zu Unrecht Menschen erschossen haben.

Kundgebungen gab es auch in den Bundesstaaten Massachusetts, Kalifornien, Texas und Georgia. In der Hauptstadt Washington zogen Dutzende Menschen vor das Justizministerium. Der Zorn der Demonstranten richtete sich erneut vor allem gegen die Entscheidung einer Grand Jury, die vor einer Woche befunden hatte, dass sich der Polizist Darren Wilson für die Schüsse auf Brown nicht verantworten muss.

Hintergründe zum Tod von Michael Brown

Der weiße Polizist hatte am 9. August den Jugendlichen Michael Brown nach einer Auseinandersetzung in Ferguson erschossen. Die Stadt mit etwa 20 000 Einwohnern ist faktisch ein Teil der Metropole St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Der Tod des 18-Jährigen löste schwere Unruhen aus. Als vergangene Woche Geschworene entschieden, dass der Todesschütze nicht angeklagt wird, kam es erneut zu schweren Krawallen und Plünderungen.