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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Zu faul zum Feiern

(Foto: Zoo Krefeld/dpa)

Jan aus Krefeld, das älteste Zoofaultier der Welt, wird 51. Aber hey, das ist noch lange kein Grund, sich besonders reinzuhängen.

Von Max Sprick

Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss. Sagt man so schön, wenn man mal wieder mit minimalstem Aufwand doch noch sein Ziel erreicht hat. Außer Fußballtrainer Jürgen Klopp, der diesen Spruch "hasst, wie nichts anderes". Weil ein Pferd so hoch zu springen habe, wie es kann - "verdammt noch mal!"

Faultiere sind vor solchen Flüchen von Natur aus geschützt, sie können nicht springen. Sie hangeln. Langsam, wirklich sehr, sehr langsam. Acht bis zehn Meter pro Stunde in den Baumwipfeln des Regenwaldes, was ihnen ihren schmeichelhaften Namen beschert hat. Sie gelten als die langsamsten Tiere der Erde, werden dabei aber verkannt: Durch ihre Trägheit sparen sie Energie und außerdem baumelt ihnen ihre Nahrung in Form von Blättern, Blüten und Früchten dabei direkt ins Maul. Ihre Trägheit tarnt sie zudem vor Fressfeinden. Ein Faultier macht also per se alles richtig. Es hangelt so schnell, wie es kann. Von müssen kann hier nicht mal für einen hasserfüllten Welttrainer die Rede sein.

Das Paradebeispiel eines gut abgehangenen Lebens ist Faultier Jan im Krefelder Zoo. Er gilt laut Guinnessbuch der Rekorde als ältestes Zoofaultier der Welt, an diesem Freitag wird er 51 Jahre alt. Fürs Rekord-Buch wollte man ihn einst fotografieren, doch er ließ sich wochenlang nicht blicken. Was nutzt einem Faultier auch das bisschen Ruhm? Ein Guinnessbucheintrag lässt Blätter, Blüten und Obst auch nicht tiefer baumeln. Ob der Einzelgänger also nun zu seinem Ehrentag mal auftaucht? Im Krefelder Zoo heißt es, Jan sei kein "Party animal", deswegen plane man feiertechnisch: nichts. Und trotzdem macht Jan bundesweit Schlagzeilen - mit noch nicht mal minimalem Aufwand.

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© SZ/nas
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