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Fat Bear Week in Alaska:"747" ist der dickste Bär

´Fat Bear"-Wahlen

Braunbär-Männchen "747", auch Jumbo Jet genannt, ist stolzer Sieger der sechsten "Fat Bear Week" im Katmai-Nationalpark Alaskas.

(Foto: dpa)

Der Braunbär, auch als "Jumbo Jet" bekannt, gewinnt den Titel des fettesten Bären seines Nationalparks in Alaska. Über einen lustigen Wettstreit mit ernstem Hintergrund.

Von Sophie Kobel

Sie nennen ihn "Graf der Üppigkeit" - und teilen mit, dass Durchlaucht nun gedenke, seinem Schicksal zu folgen: "fett und fabelhaft" in den Winterschlaf zu ziehen. Das teilte der Katmai-Nationalpark in Alaska über seinen nun weltberühmten Bewohner mit: Braunbär 747, den sie in Anlehnung an seine Nummer auch "Jumbo Jet" nennen. Was wenig übertrieben ist, denn das genaue Gewicht des mehr als 16 Jahre alten Tiers ist zwar nicht bekannt, doch die Ranger schätzten es im vergangenen Jahr auf 630 Kilogramm. Rekordverdächtig. Und das ist keinesfalls mit Häme zu erzählen, im Gegenteil, es ist ein gutes Zeichen, dass Durchlaucht so fett und fabelhaft schlafen geht - dazu später mehr.

Zunächst muss der hochgeborene Bär entsprechend gewürdigt werden, schließlich, und daher auch sein Ruhm, gewann er gerade die alljährliche "Fat Bear Week". Ein Katmai-Nationalpark-interner Wettbewerb, der der Frage nachgeht: Welcher der mehr als 2000 Braunbären im Park schafft es, über die Sommermonate am meisten Fett für den Winter einzulagern? Und wer bekommt beim dafür ausgelobten Online-Voting die meisten Stimmen?

Mit einem Video bei Instagram feiern die Ranger ihren siegreichen Grafen. Sie präsentieren seinen breiten Rücken in seinem Lieblingswasserfall. Darunter schreiben sie: "The Earl of Avoirdupois, der dickste der dicksten Bären, der talentierte, brillante, fetteste Bär der Welt ist: 747". Der Siegerbär danke den mehr als 30 Lachsen, die er jeden Tag gefressen habe, um seine Speckrollen zu vermehren, und den entspannenden Massagen im Brooks River.

Zum bereits sechsten Mal hatte der Park seinen Fat Bear Wettbewerb veranstaltet. Dessen Kandidaten bekommen von dem Trubel allerdings nichts mit. So werden "Holly", "Chunk", "747" und die anderen Braunbären weder eingefangen noch gewogen. Es handle sich hierbei um "keinen wissenschaftlichen Vergleich, sondern um einen reinen Beliebtheitswettbewerb", sagte Rangerin Amber Kraft der Deutschen-Presse-Agentur. Mit Erfolg: Die Fans lieben ihre Bären. Mehr als 140 000 Stimmen wurden seit dem Auftakt der Fat Bear Week abgegeben, und auch Kommentare zur Begründung der jeweiligen Wahl finden sich auf der Webseite: "Er hat einen massiven Kopf und so eine riesige Schnauze, die ich einfach liebe", schwärmt eine Betrachterin über ihren haarigen Favoriten. All das klingt lustig, hat aber einen ernsten Hintergrund.

Braunbären verlieren während des Winterschlafs bis zu 40 Prozent ihrer Körperfülle und sind im Frühjahr oft sehr mager. Bis zum Herbst müssen sie enorm zunehmen, um es über den Winter zu schaffen.

Brown bear 747 stands in a river hunting for salmon to fatten up before hibernation at Katmai National Park and Preserve in Alaska

"747" bei der Arbeit: Im Brooks River findet der Braunbär genug Lachse, um für den Winter vorzusorgen.

(Foto: U.S. National Park Service/via REUTERS)

Das ist nur möglich, wenn die Lachsvorkommen im Brooks River für alle Bären ausreichen. Und das ist nicht immer so: Wegen ungewöhnlicher Hitze seien die Lachszüge im vorigen Sommer viel später gekommen, erklärt Rangerin Kraft. Die Braunbären hätten zwar genug zu Fressen gefunden, doch die Folgen des Klimawandels lassen die Ranger besorgt in die Zukunft blicken. Der Wettstreit soll daher auch über den gefährdeten Lebensraum und das Ökosystem im Katmai-Nationalpark aufklären. Über eine Webcam kann man die Fat Bears von Juni bis Oktober dabei beobachten, wie sie an den Wasserfällen Lachse fangen. In der Region gibt es mithin die größten Lachsvorkommen der Welt. In dieser Saison, mit normal kühlem Wetter, mangelte es da nicht an Kalorien. Neben Lachsen verspeisten die Bären auch große Mengen Kräuter und Beeren.

Und das tat keiner so opulent wie der Graf. Er sei "der wuchtigste Bär, den ich je mit eigenen Augen gesehen habe", wird ein Park-Biologe zitiert.

© SZ/dpa/bix/ick
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