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Familie Oettinger: Trennung:Das öffentliche Ende einer Ehe

Bereits seit Wochen ist über ein Ehe-Aus bei den Oettingers spekuliert worden, zu unwillig zeigte sich Inken Oettinger in ihrer Rolle als Landesmutter. Es ist nicht die erste Politikerehe, die in der Öffentlichkeit zerbricht.

Carolin Gasteiger

Seit Montag ist es offiziell: Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) und seine Frau Inken trennen sich nach 13 Jahren Ehe. "Nach eingehender Prüfung haben wir uns heute im Einvernehmen dazu entschieden, getrennte Wege in Freundschaft zu gehen", sagte Oettinger heute der Bild-Zeitung.

Günther und Inken Oettinger; AP

Da war alles noch gut: Nun gaben Günther und Inken Oettinger ihre Trennung bekannt.

(Foto: Foto: AP)

Eine Politikerehe mehr, die in die Brüche geht. Während ihrer Amtszeit trennten sich auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff und sein Vorgänger Gerhard Schröder, als er noch in Hannover sein Amt inne hatte. Der noch verheiratete Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee überraschte die Öffentlichkeit, als er jüngst mit seiner Freundin auf dem Bundespresseball erschien.

Im christlich-konservativen Baden-Württemberg ist es das erste Mal, dass sich ein Regierungschef während seiner Amtszeit von seiner Frau trennt. Die Gründe für das Ehe-Aus sind weniger persönlicher Natur - es kriselte vielmehr wegen des Amtes von Günther Oettinger. "Uns fehlt schlicht die Zeit", hatte Inken Oettinger einmal verlauten lassen.

Seit mehr als einem Jahr war über eine Entfremdung der beiden gemunkelt worden. Inken Oettinger, die ihren Beruf als Bekleidungstechnikerin nie ausgeübt hat, sondern stattdessen die Karriere ihres Mannes begleitete, ist ihrer öffentlichen Rolle offenbar überdrüssig.

Während ihr Mann eifrig versuchte, sich in sein Amt als Ministerpräsident Baden-Württembergs einzufinden, mied Inken Oettinger zunehmend die Öffentlichkeit. In der vergangenen Woche bezeichnete Bild Oettinger und seine Ehefrau als "Deutschlands seltsamstes Politiker-Ehepaar". Immer seltener wurden die öffentlichen Auftritte des Paares.

Günther Oettinger selbst hatte die Beziehung jüngst als nicht stabil bezeichnet. "Meine Frau war zunehmend unglücklich mit der Belastung, die durch Termine und Öffentlichkeit entstanden ist", so Oettinger gegenüber der Bild.

Am vergangenen Mittwoch kam es zum Eklat: Zu einem Adventsempfang in Berlin, zu dem sie 170 Damen aus Diplomatie, Medien und Kultur eingeladen hatte, erschien Inken Oettinger einfach nicht.

Der Grund: Sie habe momentan niemand, der sich um den neunjährigen Sohn Alexander kümmere und müsse ihn selbst zum Fußballtraining bringen.

Die Opposition im Stuttgarter Landtag empörte sich über Inken Oettingers Fauxpas, ihr Verhalten sei schlecht für die Außendarstellung Baden-Württembergs. "Wenn man eine Repräsentationspflicht übernimmt, dann muss man sie auch einhalten", wetterte Landtags-Vizepräsident Wolfgang Drexler (SPD).

Inken Oettinger ist nicht die einzige Politikerfrau, die ihre Eigenwilligkeit behauptet und politisch aneckt. Auch Cécilia Sarkozy war vor ihrer Trennung vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy immer öfter offiziellen Anlässen ferngeblieben. Im Oktober dieses Jahres gab das Ehepaar die Scheidung bekannt.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte vor anderthalb Jahren in der Bild-Zeitung die Trennung von seiner Frau Christiane bekanntgegeben. Das Paar war 18 Jahre verheiratet gewesen. Mit seiner neuen Lebensgefährtin, der Journalistin Bettina Körner, erwartet Wulff im Sommer ein Kind.

Ein weiterer Fall: Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Im Sommer 2005 war die Trennung Tiefensees von seiner Frau Gabriele in der Presse bekanntgegeben worden. Auf dem diesjährigen Bundespresseball Anfang Dezember zeigte sich der Minister schwer verliebt mit seiner Freundin Annette Bender.

Ausgiebig hatte die Presse auch die Ehekrise von Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer diskutiert, dessen Geliebte in Berlin im Juni eine gemeinsame Tochter zur Welt gebracht hatte. Monate später entschied sich der CSU-Politiker, doch bei seiner Ehefrau Karin zu bleiben.

Bevor auch das Ende seiner Ehe zu viele Schlagzeilen macht, appelliert Günther Oettinger vorsorglich: "Wir haben die Bitte, dass die Öffentlichkeit unsere Privatsphäre akzeptiert."

© sueddeutsche.de/bavo
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